Tummler oder Faustbecher, Barock, Herrengrund um 1700,
Barocker Herrengrunder Tummler aus Eisen und Kupfer, Úrvölgy (Herrengrund) um 1700
Seltener Herrengrunder Tummler beziehungsweise Faustbecher aus der Zeit um 1690–1700. Diese frühen Gefäße aus den berühmten Kupferbergwerken von Herrengrund zählen zu den charakteristischsten Zeugnissen der mitteleuropäischen Bergbau- und Kunstkammerkultur des Barock.
Herrengrunder Faustbecher aus verkupfertem und teilvergoldetem Eisen, Úrvölgy (Herrengrund, Oberungarn) um 1700, montanistisches Sammlungsobjekt von besonderer Seltenheit.
Frühes Herrengrunder Gefäß aus der Blütezeit des oberungarischen Kupferbergbaus. Der Tummler verbindet barocke Gefäßformen mit der einzigartigen Geschichte des sogenannten „Herrengrunder Kupfers“, das in ganz Europa als Zeugnis einer vermeintlichen alchemistischen Metallverwandlung bekannt wurde.
Objekt: Tummler / Faustbecher
Herkunft: Herrengrund (Úrvölgy), Komitat Zólyom, Oberungarn, heute Špania Dolina, Slowakei
Datierung: ca. 1690–1700
Material: Eisen, verkupfert, teilvergoldet
Technik: Getrieben, verkupfert, vergoldet
Höhe: 5,2 cm
Durchmesser: 7,2 cm
Gewicht: 🔴 XX
Epoche: Barock
Zustand: Altersgemäß sehr guter Zustand
Der vorliegende Tummler entstand in Herrengrund (ungarisch Úrvölgy), einem der bedeutendsten Kupferbergbaureviere Europas. Bereits seit dem Mittelalter war die Region für ihre reichen Kupfervorkommen bekannt. Besondere Berühmtheit erlangte Herrengrund jedoch durch das sogenannte Zementkupfer, das sich auf natürliche Weise aus kupferhaltigen Grubenwässern auf Eisen abscheidet.
Dieser elektrochemische Vorgang wurde in der Frühen Neuzeit als tatsächliche Verwandlung von Eisen in Kupfer interpretiert und galt vielen Gelehrten als Beweis einer alchemistischen Transmutation. Die aus Herrengrunder Kupfer gefertigten Gefäße wurden daher nicht nur als Gebrauchsgegenstände geschätzt, sondern als sichtbare Zeugnisse dieses „Wunders von Herrengrund“ gesammelt und verschenkt.
Charakteristisch für Herrengrunder Arbeiten ist ihre enge Verwandtschaft mit zeitgenössischen Silbergefäßen des Barock. Zahlreiche Tummler, Becher, Pokale und Fassbecher wurden in denselben Formen gefertigt, wie sie gleichzeitig von Gold- und Silberschmieden des habsburgischen Raumes hergestellt wurden. Herrengrunder Kupfer war dabei kein Ersatzmaterial, sondern ein begehrter Werkstoff, dessen Herkunft aus den berühmten Bergwerken den besonderen Wert der Objekte begründete.
Der vorliegende Faustbecher gehört zu den frühen und heute seltenen Herrengrunder Erzeugnissen. Besonders reizvoll ist die Kombination von Eisenkern, Verkupferung und Resten der ursprünglichen Vergoldung, welche die Entstehungsgeschichte des Materials unmittelbar sichtbar macht. Solche Objekte wurden in Kunst- und Wunderkammern gesammelt und dienten als Erinnerungsstücke an die berühmten Bergwerke Oberungarns.
Die internationale Bedeutung der Herrengrunder Arbeiten wurde zuletzt durch die Ausstellung „Rotes Gold. Das Wunder von Herrengrund“ im Residenzschloss Dresden (29. August 2025 bis 4. Januar 2026) eindrucksvoll dokumentiert. Die Ausstellung widmete sich der Rolle des Herrengrunder Kupfers für Kunstkammern, Schatzkammern und die europäische Vorstellung von Naturwissenschaft, Alchemie und Bergbau.
Vergleichbare Herrengrunder Arbeiten befinden sich heute im Braunschweigischen Landesmuseum, im Ungarischen Nationalmuseum Budapest, im Bergbaumuseum Ödenburg (Sopron), im Slowakischen Bergbaumuseum Schemnitz (Selmecbánya, heute Banská Štiavnica), im Mittelslowakischen Museum Neusohl (Besztercebánya, heute Banská Bystrica) sowie in den Sammlungen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.
Ein authentisches Zeugnis europäischer Bergbaugeschichte, barocker Kunstkammerkultur und der faszinierenden Geschichte des „Roten Goldes“ von Herrengrund.
Das Objekt kann nach vorheriger Terminvereinbarung in unserem Geschäft besichtigt werden. Weitere Herrengrunder Arbeiten, Montanistika, Kunstkammerobjekte sowie seltene Silber-, Kupfer- und Bergbauobjekte des 16. bis 19. Jahrhunderts befinden sich in unserem Bestand.
Literatur:
Kapossy, János: Magyarországi ötvösök a XVIII–XIX. században / Hungarian Goldsmiths of the XVIIIth and XIXth Centuries, Budapest, 1934
Zoltai, Lajos: Ötvösök és ötvösművek Debrecenben. Adalékok a debreceni ötvösség történetéhez, Debrecen, 1937
Tardy: International Hallmarks on Silver, Paris, 1985
Nyulásziné Straub, Éva: Öt évszázad címerei. A Magyar Országos Levéltár címereslevelein, Budapest, 1987
Takács, Béla: Ötvösművek a Debreceni Református Kollégium Múzeumában, Budapest, 1988
Chalupecký, Ivan: Špania Dolina (Úrvölgy). Dejiny baníctva a hutníctva, Banská Bystrica (Besztercebánya), 1988
From the Heart of Europe. Art Treasures of Hungary 896–1896, Ausstellungskatalog, Royal Museum of Scotland, Edinburgh, 1992
Wiswe, Mechthild: „Ein eisern Pfund in Herrengrund wird Kupfer zur Stund“. Der Glaube an die Verwandelbarkeit der Metalle, Braunschweigisches Landesmuseum, Informationen und Berichte 1–2/1993, Braunschweig, 1993
Kuhnke, Siegfried: Das rote Gold. Kunstwerke der Kupferschmiede, Braunschweig, 1993
Rotes Gold. Das Wunder von Herrengrund, Ausstellungskatalog der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Dresden, 2025
Weiterführende Literatur: Literatur über Herrengrunder Kupfer
Hungarian Treasure: Silver from the Nicolas M. Salgo Collection. At The Met Fifth Avenue. April 6–October 25, 2015
Jankovich, Miklos, (1772-1846) gyüjteményei. Budapest: Magyar Nemzeti Galeria, 2002. 413 Seiten
Tummler oder Faustbecher, Barock, Herrengrund um 1700,
Faustbecher
Zu den klassischen Herrengrunder Erzeugnissen zählen Weinprobierschalen, Tummler, Faustbecher, Becher, Doppelbecher, Fassbecher, Pokale und andere repräsentative Bergbauobjekte. Viele dieser Gefäße wurden nach denselben Vorbildern gefertigt wie zeitgenössische Silberarbeiten und waren als Erinnerungsstücke, diplomatische Geschenke oder Kunstkammerobjekte bestimmt. Gerade diese Verbindung von Bergbaugeschichte, alchemistischer Symbolik und barocker Gefäßkunst macht Herrengrunder Arbeiten heute zu einem eigenständigen und international gesuchten Sammelgebiet.
Tummler oder Faustbecher, Barock, Herrengrund um 1700,
Barocker Herrengrunder Tummler aus Eisen und Kupfer, Úrvölgy (Herrengrund) um 1700
Seltener Herrengrunder Tummler beziehungsweise Faustbecher aus der Zeit um 1690–1700. Diese frühen Gefäße aus den berühmten Kupferbergwerken von Herrengrund zählen zu den charakteristischsten Zeugnissen der mitteleuropäischen Bergbau- und Kunstkammerkultur des Barock.
Herrengrunder Faustbecher aus verkupfertem und teilvergoldetem Eisen, Úrvölgy (Herrengrund, Oberungarn) um 1700, montanistisches Sammlungsobjekt von besonderer Seltenheit.
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