Zur aktuellen Lage am Silbermarkt „Ich bin seit über 30 Jahren in diesem Geschäft tätig und habe einen derart schnellen Anstieg des Silberpreises bislang nicht erlebt. Die Auswirkungen zeigen sich bereits deutlich am Markt: Verfügbarkeit und Nachbeschaffung werden spürbar schwieriger, insbesondere bei zusammenpassenden Teilen und gutem Erhaltungszustand.

Für Sammler und Nutzer hochwertiger Tafelkultur bedeutet das: Wer noch ergänzen oder Lücken schließen möchte, sollte dies zeitnah prüfen, da spätere Nachkäufe erfahrungsgemäß mit höherem Aufwand und deutlich steigenden Preisen verbunden sind. Gleichzeitig gewinnt in diesem Zusammenhang der alte dänische Begriff „Erbsilber“ neue Aktualität - als Ausdruck für langlebige, werthaltige Bestände, die nicht nur genutzt, sondern über Generationen weitergegeben werden.“

Große Jugendstil Bowle, Bremen

Große Jugendstilbowle, Silber, Bremen

Preis auf Anfrage
Art.Nr. 2245-1
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Große Jugendstil Bowle, Bremen

Werksentwurf, Fa. B.W.K..S.
(Bremer Werkstätten für kunstgewerbliche Silberarbeiten)
Inh. Wilhelm Schulze & David Andersen/Oslo
Original Glaseinsatz
Silber 830, getrieben, Bein & Emailcabochons

Sehr guter Zusatnd.

Die Bremer Werkstätten für kunstgewerbliche Silberarbeiten (B.W.K.S.) nehmen eine herausragende Stellung innerhalb des norddeutschen Kunsthandwerks der frühen Moderne ein und sind als bedeutender Produktions- und Entwurfsort qualitätvollen Silbergeräts des frühen 20. Jahrhunderts zu bewerten.

Die B.W.K.S. wurden als spezialisierter Fachbetrieb für hochwertiges Tafel- und Gebrauchssilber sowie für sakrale Geräte gegründet. Langjähriger Inhaber war der Bremer Silberschmied Wilhelm Schulze, dessen handwerklich-technische Tradition in den bis heute bestehenden Silberwerkstätten Richard Schulze e.K. in Bremen-Walle institutionell fortgeführt wird. Die Werkstattstruktur der B.W.K.S. entspricht dem Typus einer kunstgewerblichen Manufaktur, in der Entwurf, Ausführung und Qualitätskontrolle eng miteinander verzahnt waren.

Kunsthistorisch sind die Erzeugnisse der B.W.K.S. primär dem Jugendstil sowie der sich anschließenden frühen Moderne zuzuordnen. Charakteristisch ist eine formale Reduktion bei gleichzeitiger Betonung der Materialität, verbunden mit einer hohen handwerklichen Präzision. Die Entwürfe zeigen eine konsequente Orientierung an funktionalen Anforderungen und stehen damit in Nähe zu reformorientierten kunstgewerblichen Strömungen des frühen 20. Jahrhunderts.

Von besonderer Bedeutung ist die dokumentierte Zusammenarbeit mit dem norwegischen Hofjuwelier David-Andersen (gegründet 1876 durch David Andersen, später geführt von Arthur David-Andersen). Diese Kooperation ist als Beispiel eines frühen transnationalen Produktions- und Designaustauschs im europäischen Kunstgewerbe zu werten.

Im Rahmen dieses Fertigungsverbundes fungierten die B.W.K.S. zeitweise als Produzent oder Kooperationspartner für komplexe Silberobjekte, bei denen deutsche Korpusarbeit mit norwegischen Emaille-Techniken, insbesondere der Plique-à-jour-Emaille, kombiniert wurde. Diese Arbeitsteilung verweist auf spezialisierte Fertigungskompetenzen innerhalb eines internationalen Netzwerks kunstgewerblicher Betriebe.

Ein prominentes Objektbeispiel stellt die monumentale Jugendstil-Bowle dar, die mit den Marken beider Werkstätten punziert ist. Das Objekt dokumentiert sowohl die formale Nähe zwischen der Bremer Schule und skandinavischen Stilströmungen – insbesondere dem sogenannten Drachenstil – als auch die wechselseitige Rezeption nationaler Gestaltungstraditionen.

Die Identifikation von Arbeiten der B.W.K.S. erfolgt in der Regel über die Stempelung mit dem Kürzel B.W.K.S., häufig ergänzt durch die jeweilige Feingehaltsangabe (z. B. 800 oder 925) sowie durch die deutschen Reichspunzen Halbmond und Krone. Diese Punzierung erlaubt eine verlässliche Zuschreibung und Einordnung innerhalb der deutschen Silberproduktion der Zeit.

Aufgrund ihrer begrenzten Produktionsmenge, der hohen handwerklichen Qualität sowie ihrer kunsthistorischen Relevanz erzielen Objekte der B.W.K.S. bis heute eine nachhaltige Aufmerksamkeit in Forschung, Museumssammlungen und auf dem Kunstmarkt.

Literatur (Auswahl)
Jugendstil und Silber. Europäische Silberschmiedekunst 1890–1914. München: Prestel, 1998.
Brandstätter, Christian (Hrsg.): Jugendstil. Kunst, Design und Architektur um 1900. Wien: Brandstätter, 2011.
Cederlund, Torsten: Scandinavian Silver and Enamel 1880–1930. Stockholm: Nordiska Museet, 2003.
Heskett, John: Design in Germany 1870–1918. London: Trefoil Books, 1986.
Hintze, Erwin: Deutsches Silber. Historische Entwicklung vom 19. Jahrhundert bis zur Moderne. Berlin: Deutscher Kunstverlag, 1973.
Müller-Krumbach, Ruth: Kunstgewerbe in Norddeutschland 1890–1930. Hamburg: Dölling und Galitz, 2005.
Naylor, Gillian: The Arts and Crafts Movement. London: Studio Vista, 1971.
(zur Einordnung reformorientierter kunstgewerblicher Strömungen)

Oppermann, Klaus: Deutsche Silberpunzen ab 1800. Stuttgart: Arnoldsche Art Publishers, 1995.
Tschudi-Madsen, Stephan: Sources of Art Nouveau. Oslo: Universitetsforlaget, 1956.
Widar Halén (Hrsg.): David-Andersen. Norwegian Jewelry and Silver Design. Oslo: Arnoldsche / Nasjonalmuseet, 2012.

weiterführende Literatur:
Löhr, Alfred: Bremer Silber. Von den Anfängen bis zum Jugendstil. Focke Museum, Bremen 1982.
Metallkunst, Silber – Kupfer – Messing – Zinn, Vom Jugenstil zur Moderne Kunst vom Jugendstil zur Moderne (1889 – 1939) / Sammlung Karl H. Bröhan, Berlin; Bd. IV., Berlin 1990
Literatur: Badisches Landesmuseum Karlsruhe: Frauensilber. Paula Straus, Emmy Roth & Co.Silberschmiedinnen der Bauhauszeit. Karlsruhe 2011.
Ausstellung im Bröhan-Museum, Berlin (7. Juli bis 9. Oktober 2011)
Bröhan, Torsten und Berg, Thomas: Avantgarde Design 1880-1930. Köln 1994.

Große Jugendstil Bowle, Bremen

Werksentwurf, Fa. B.W.K..S.
(Bremer Werkstätten für kunstgewerbliche Silberarbeiten)
Inh. Wilhelm Schulze & David Andersen/Oslo

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