Zur aktuellen Lage am Silbermarkt „Ich bin seit über 30 Jahren in diesem Geschäft tätig und habe einen derart schnellen Anstieg des Silberpreises bislang nicht erlebt. Die Auswirkungen zeigen sich bereits deutlich am Markt: Verfügbarkeit und Nachbeschaffung werden spürbar schwieriger, insbesondere bei zusammenpassenden Teilen und gutem Erhaltungszustand.

Für Sammler und Nutzer hochwertiger Tafelkultur bedeutet das: Wer noch ergänzen oder Lücken schließen möchte, sollte dies zeitnah prüfen, da spätere Nachkäufe erfahrungsgemäß mit höherem Aufwand und deutlich steigenden Preisen verbunden sind. Gleichzeitig gewinnt in diesem Zusammenhang der alte dänische Begriff „Erbsilber“ neue Aktualität - als Ausdruck für langlebige, werthaltige Bestände, die nicht nur genutzt, sondern über Generationen weitergegeben werden.“

Jugendstil Glas Schale Johan Loetz Witwe ca. 1900

Jugendstil Glas Vase Johann Loetz Witwe, Klostermühle ca. 1900, medusin, dreifach gekniffen

Preis auf Anfrage
Art.Nr. 4510-1
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Jugendstil Glas Schale Johan Loetz Witwe ca. 1900

Jugendstil Glas Schale mit Medusin-Dekor, Johann Loetz Witwe, Klostermühle um 1900

Seltene Jugendstil-Glasschale mit irisierendem Medusin-Dekor aus der bedeutenden Kunstglasmanufaktur Johann Loetz Witwe in Klostermühle, Böhmen, entstanden um 1900. Das charakteristische dreifach gekämmte Dekor zählt zu den technisch und künstlerisch anspruchsvollsten Oberflächengestaltungen der Loetz-Produktion und dokumentiert eindrucksvoll die experimentelle Innovationskraft der Manufaktur während ihrer bedeutendsten Schaffensperiode. Aufgrund ihrer qualitätvollen Ausführung, der außergewöhnlichen Lichtwirkung und ihres sehr guten Erhaltungszustandes gehört diese Schale zu den gesuchten Arbeiten des europäischen Jugendstils.

Die flach ausladende Form wird von einem fein ausgearbeiteten Medusin-Dekor überzogen, dessen dreifach gekämmte Struktur eine lebendige Bewegung über die gesamte Oberfläche erzeugt. Charakteristisch sind die fließenden, nahezu organisch wirkenden Linien, die sich unter der irisierenden Oberfläche in unterschiedlichen Lichtreflexen entfalten. Je nach Betrachtungswinkel entwickelt das Glas metallische Nuancen zwischen Silber, Gold, Grün und Violett und erzeugt jene schillernde Tiefenwirkung, die zu den herausragenden Merkmalen der Loetz-Gläser um 1900 zählt. Die Kombination aus dekorativer Dynamik und harmonischer Form verleiht der Schale eine außergewöhnliche Präsenz.

Das sogenannte Medusin-Dekor gehört zu den berühmtesten Oberflächenentwicklungen der Loetz-Werkstätten. Die Bezeichnung verweist auf die bewegten, wellenartigen Strukturen, deren Linienführung an organische Naturformen erinnert und den zentralen Gestaltungsidealen des Jugendstils entspricht. Besonders die mehrfach gekämmten Varianten zeigen den hohen technischen Aufwand der Herstellung und zählen innerhalb der Loetz-Produktion zu den kunsthistorisch bedeutenden Dekorgruppen.

Um die Jahrhundertwende entwickelte sich Johann Loetz Witwe zu einer der führenden Kunstglasmanufakturen Europas. Unter der Leitung von Max Ritter von Spaun entstanden innovative Glasobjekte, die technische Perfektion mit modernster Gestaltung verbanden. Die berühmten irisierenden Oberflächen machten Loetz international bekannt und wurden auf bedeutenden Weltausstellungen ausgezeichnet. Heute gelten die Arbeiten der Manufaktur als zentrale Werke der europäischen Jugendstilbewegung und als Höhepunkte der böhmischen Kunstglasproduktion.

Die Werkstätten arbeiteten mit bedeutenden Künstlern und Gestaltern der Wiener Secession zusammen, darunter Josef Hoffmann, Koloman Moser, Otto Prutscher und Franz Hofstötter. Aus dieser Verbindung von innovativer Formgestaltung und höchster handwerklicher Qualität entstanden einige der bedeutendsten Glasobjekte des frühen 20. Jahrhunderts. Gerade die dekorativen Schalen mit experimentellen Oberflächen zählen zu den eindrucksvollsten Beispielen dieser Entwicklung.

Arbeiten von Johann Loetz Witwe befinden sich heute in bedeutenden Museums- und Kunstglassammlungen, darunter das MAK Wien, das Leopold Museum Wien, das Museum Kunstpalast Düsseldorf, das Corning Museum of Glass in New York sowie zahlreiche internationale Sammlungen zur Wiener Moderne und zum europäischen Jugendstil. Die Medusin-Dekore zählen innerhalb der Loetz-Forschung zu den charakteristischen und besonders geschätzten Oberflächenentwicklungen der Jahre um 1900.

Entwurf und Ausführung: Johann Loetz Witwe, Klostermühle, Österreich-Böhmen, um 1900
Dekor: Medusin, dreifach gekämmt
Material: Irisierendes Kunstglas
Technik: Mundgeblasen und veredelt
Höhe: 5 cm
Durchmesser: 16,5 cm
Zustand: Sehr guter Originalzustand.

Literatur: Ricke, Ploil, Lötz, Band 1, Werkmonographie, S. 261, Nr. 319; Ricke, Ploil, Band 2, Katalog der Musterschnitte

Weiterführende Glas-Fachliteratur
Literatur: Yves Delaborde, Le Verre, Art and Design – XIXe – XXIe Siècles
Seite 53. Christian, Désiré
Seite 72. DAUM (verreries de Nancy) (Seite 74. Kürbisvase, Seite 75. Vase mit Wein und Applizierten Schnecken, Seite 76. Pfauenfederlampe)
Seite 86. Décorchemont, Francois 1880-1971
Seite 120. Gallé, Émile (1846-1904)
Seite 210. Meisenthal, Verrerie
Seite 304. Walter, Amalric (1870-1959), Verrier
Le verre à L´Ètranger, Seite 312. Peter Behrens
Seite 316. Lobmeyr, Verrerie
Seite 317. Loetz, Verrerie
Seite 320. Val Saint-Lambert, Verreie
Seite 321. Velde, Henry van de (Belgique, 1863 – Suisse, 1957)
Seite 325. Tiffany, Verreie et éditeur
Seite 326. Zynsky, Toots (*1951), Verrerier

Glas, Vasen von Johann Lötz Witwe in der Sammlung Museum Kunstpalast, Düsseldorf, Deutschland

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