KPM Berlin Porzellan Liegende Gazelle 1921
Beschreibung:
Seltene Art-Déco-Porzellanfigur „Liegende Gazelle“ der KPM Berlin, Modell Nr. 11525, entworfen 1921 von Emil Rutte und ausgeführt 1922 in der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Berlin.
Die Gazelle liegt mit unter den Körper gezogenen beziehungsweise angewinkelten Vorderbeinen auf einem flachen, längs-rechteckigen Sockel. Rutte reduziert das Tier auf eine ruhige, geschlossene Silhouette mit langgestrecktem Körper, elegant aufgerichtetem Hals und fein modelliertem Kopf. Die klare Kontur und die weitgehende Reduktion auf die plastische Form stehen charakteristisch für die stilistische Neuorientierung der Berliner Porzellanplastik zu Beginn der 1920er Jahre.
Die Figur trägt auf dem Sockel die Signatur „RUTTE“. Die frühe Ausformung von 1922 ist durch die unterglasurblaue Zeptermarke und Reichsapfelmarke sowie Modellnummer, Malermarken und Jahreskennzeichnung dokumentiert.
Künstler:
Emil Rutte (1874–1957) war Bildhauer und Porzellanmodelleur und arbeitete für die Berliner Porzellanmanufaktur. Seine Entwürfe reichen von Gefäßen und repräsentativen Porzellanen bis zu Tierplastiken. Weitere dokumentierte KPM-Tiermodelle Ruttes belegen seine Beschäftigung mit der Tierplastik; hierzu gehören unter anderem ein Rebhuhnpaar, Modell Nr. 11731, sowie eine Maus auf Maiskolben, Modell Nr. 13068.
Daten:
Objekt: Porzellanfigur, Tierfigur „Liegende Gazelle“
Manufaktur: Staatliche Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM Berlin)
Entwurf: Emil Rutte, 1921
Ausführung: 1922
Modellnummer: 11525
Material: Porzellan
Signatur: „RUTTE“ auf dem Sockel
Marken: unterglasurblaue Zeptermarke und Reichsapfelmarke, Modellnummer, Malermarken und Jahreskennzeichnung
Maße: Sockel 16,3 × 7,4 cm; Höhe 7,5 cm
Zustand: Sehr gut.
Kunsthistorische Einordnung:
Die Entstehungszeit der Gazelle fällt in eine wichtige Umbruchphase der Berliner Porzellanmanufaktur. Nach dem Ende der Monarchie wurde die Königliche Porzellan-Manufaktur 1918 in Staatliche Porzellan-Manufaktur Berlin umbenannt; diese Bezeichnung führte sie bis 1988.
In den frühen 1920er Jahren lösten sich viele Entwürfe zunehmend von der ornamentalen Formensprache des Jugendstils. Bei Ruttes Gazelle zeigt sich dieser Wandel besonders deutlich in der ruhigen, geschlossenen Gesamtform und der Konzentration auf Silhouette und plastisches Volumen. Damit steht das Modell an der Schwelle zwischen spätem Jugendstil, früher Moderne und Art Déco.
Emil Rutte war bereits vor dem Ersten Weltkrieg für die KPM tätig. Dokumentiert sind beispielsweise ein 1911 entworfener Dosenentwurf sowie weitere Modelle der 1910er Jahre. Seine Arbeiten zeigen damit eine Entwicklung von der Berliner Kunstporzellanproduktion des Jugendstils bis zur sachlicheren Formensprache der 1920er Jahre.
Historie der Manufaktur:
Mit dem Ende der Monarchie 1918 endete auch die Epoche der „Königlichen“ Porzellan-Manufaktur. Von 1918 bis 1988 firmierte das Unternehmen offiziell als Staatliche Porzellan-Manufaktur Berlin. 1988 wurde die Bezeichnung Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin wieder aufgenommen.
Die Jahrzehnte nach 1918 gehören zu den interessantesten Phasen der KPM-Geschichte. Künstler und Designer wie Gerhard Marcks, Trude Petri, Siegmund Schütz, Marguerite Friedlaender-Wildenhain, Else Möckel und Emil Rutte trugen zur Entwicklung der modernen Berliner Porzellangestaltung bei.
Else Möckel [Berlin Charlottenburg 1901 – 1976 Berlin], Studium ab 1919/20 an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin, 1925-28 Schülerin der Keramischen Fachklasse der KPM. Ihr Malstil wurde charakteristisch für die Malerie unter Alice von Pechmann. 1937 wurde Sie von der internationalen Jury der Weltkunstausstellung in Paris mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.
Trude Petri [Hamburg 1906 – 1998 Vancouver], Designerin, Bildhauerin, Malerin. Studium an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg, seit 1929 für die KPM Berlin tätig. 1937 wurde sie vom internationalen Preisgericht der Weltausstellung Paris mit dem Grand Prix ausgezeichnet.
Siegmund Schütz [Dessau 1906 – 1998 Berlin], deutscher Bildhauer, Medailleur und Desginer. Studium an der Dresdner Akademie unter Karl Albiker und Th. A. Winde 1926-31. 1932-70 Mitarbeiter der KPM Berlin.
Gerhard Marcks [1889 Berlin – 1981 Köln]
Gerhard Marcks, 1889 in Berlin geboren, gilt neben Barlach, Lehmbruck und Kolbe als bedeutendster deutscher Bildhauer des letzten Jahrhunderts.
Nach der Auflösung des Weimarer Bauhauses wechselte Gerhard Marcks 1925 als Professor an die Kunstgewerbeschule auf Burg Giebichenstein in Halle, wo er die Bildhauerwerkstatt bis 1933 leitet. 1927 bis 1933 hat er ebenfalls die Gesamtleitung der Kunstgewerbeschule Giebichenstein inne. (Mehr: Gerhard Marcks)
Literatur:
1971 – Irene von Treskow: Die Jugendstil-Porzellane der KPM. Bestandskatalog der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin 1896–1914. München.
1986 – Barbara Mundt: 40 Jahre Porzellan. Siegmund Schütz zum 80. Geburtstag. Berlin.
1987 – Berliner Porzellan vom Jugendstil zum Funktionalismus 1889–1939. Ausstellungskatalog Bröhan-Museum, Berlin.
988 – Margarete Jarchow: Berliner Porzellan im 20. Jahrhundert. Hamburg.
1993 – Karl H. Bröhan (Bearb.): Porzellan. Kunst und Design 1889 bis 1939. Vom Jugendstil zum Funktionalismus. Bestandskatalog des Bröhan-Museums, Bd. 5, Berlin.
1999 – Um 1909. Porzellan aus Berlin, Meissen, Nymphenburg. Ausstellungskatalog zum 90-jährigen Bestehen des Hetjens-Museums, Düsseldorf.
2009 – Hans-Peter Jacobsen: Marguerite Friedlaender-Wildenhain. Den eigenen Vorstellungen Gestalt geben. Gera.
2013 – Tobias Hoffmann / Claudia Kanowski (Hrsg.): Lust auf Dekor – KPM-Porzellan zwischen Jugendstil und Art Deco. Die Ära Theo Schmuz-Baudiß. Ausstellungskatalog Bröhan-Museum, Köln/Berlin.
2020 – Tim D. Gronert: Porzellan der KPM Berlin 1918–1988. Geschichte, Künstler und Werke. 3 Bände, Deutscher Kunstverlag. Das Werk dokumentiert mehr als 3.000 Porzellane und enthält einen eigenen wissenschaftlichen Künstlerbeitrag zu Emil Rutte.
Seltene KPM Berlin Porzellanfigur „Liegende Gazelle“, Modell Nr. 11525, nach dem Entwurf von Emil Rutte aus dem Jahr 1921 und in einer frühen Ausformung von 1922 – ein charakteristisches Sammlerstück der Berliner Porzellankunst zwischen Jugendstil, Art Déco und klassischer Moderne.
Die signierte KPM Tierfigur von Emil Rutte verbindet die elegante Darstellung einer Gazelle mit der reduzierten Formensprache der frühen 1920er Jahre und ist besonders für Sammler von KPM Berlin, Art Déco Porzellan, deutschen Porzellanfiguren und Tierplastiken des 20. Jahrhunderts interessant.
Originale frühe KPM Porzellanfiguren und Tierplastiken von Künstlern wie Emil Rutte, Gerhard Marcks, Trude Petri und Siegmund Schütz dokumentieren die Entwicklung der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Berlin zu einem der bedeutenden Zentren des deutschen Porzellandesigns der Moderne.
Besichtigung nach Vereinbarung:
Die hier angebotene KPM-Porzellanfigur kann nach vorheriger fester Terminvereinbarung bei Denes Szy Kunsthandel, Königsallee 27–31, D-40212 Düsseldorf, persönlich besichtigt werden.
Darüber hinaus befindet sich eine größere Auswahl hochwertigen Porzellans, Silbers, Keramik und Kunstgewerbes im Bestand. Hierzu gehören Arbeiten bedeutender Manufakturen und Künstler des Jugendstils, Art Déco und Designs des 20. Jahrhunderts sowie Objekte von KPM Berlin, Meissen, Nymphenburg, Tiffany & Co., Gorham, Liberty & Co., Orivit, WMF, Georg Jensen und Zsolnay. Ein Teil des weiteren Bestandes ist auf der Homepage zu sehen; zahlreiche weitere Stücke sind im Geschäft verfügbar.
Ab 1988 wird die Manufaktur wieder umbenannt in Königliche Porzellan Manufaktur, Berlin GmbH.
Ausführliche Historie siehe https://www.kpm-berlin.com/manufaktur/kpm-geschichte/
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