Jugendstil Silber Besteck Vorlegeloeffel Tulpe VSF 800 Duesseldorf,
Sahnelöffel, Gemüselöffel,
Jugendstil Silberbesteck,
Muster: Modell Nr.: 2900,
Entwurf: Werksentwurf um 1900 (Peitschen- Tulpenmuster)
Ausfuehrung.: Franz Bahner AG, Silberwarenfabrik, Duesseldorf, Deutschland
Silber 800
– 1 Inch (Zoll) = 2,54 Zentimeter –
Zustand: sehr gut
siehe Vergleichsbesteck in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.
„Wer mit Silber speist, trifft eine Entscheidung. Täglich. Nicht für Prunk, sondern für Haltung. Für die Überzeugung, dass das gemeinsame Essen einen würdigen Rahmen verdient – ob beim großen Festmahl mit zwanzig Personen oder beim stillen Sonntagstisch zu zweit. Silber ist keine Dekoration. Es ist eine Aussage!“
Historie:
Firmengeschichte und Eigentümerstruktur
Die Silberwarenfabrik Franz Bahner AG Düsseldorf wurde 1895 von Franz Bahner gegründet. 1899 gründeten zwei Söhne des Anton (Anton Franz Hubert) Bahner — Anton Bahner jun. und Wilhelm Bahner — die „Silberwarenfabrik Gebrüder Bahner“, die später in der Vereinigten Silberwarenfabriken AG Düsseldorf aufging. Zwei weitere Söhne führten eigene Silberwarenfabriken: Franz Bahner in Düsseldorf und Louis Bahner in Berlin.
Die Familie Bahner war damit mit mehreren Betrieben ein bedeutender Akteur der deutschen Silberindustrie um 1900.
Im Jahr 1915 erwarb die Mansfelder Kupferschiefer bauende Gewerkschaft die Silberwarenfabrik Franz Bahner AG Düsseldorf. Mansfeld war ein mitteldeutsches Montanunternehmen, das sich mit der Gewinnung von Kupfer, Silber sowie anderen NE-Metallen aus Kupferschiefer und der Verarbeitung der gewonnenen Metalle beschäftigte. Die Übernahme stellte eine vertikale Integration dar: vom Silberbergbau bis zum fertigen Tafelsilber aus einer Hand.
Am 18. Oktober 1921 wurde die Gewerkschaft in die „Mansfeld AG für Bergbau und Hüttenbetriebe“ Eisleben überführt. Franz Bahner blieb Tochterunternehmen der Mansfeld AG. Bahner-Bestecke sind daher auch unter dem Begriff Mansfelder Silber bekannt.
Punzierung: Halbmond, Krone, 800 für Silberfeingehalt 800/1000, Meistermarke „gekreuzte Hämmer“ mit den Buchstaben M S für Mansfelder Silber. Die Firma bestand bis etwa 1962.
Entwerfer
Peter Behrens (1868–1940): Behrens war 1892 Mitbegründer der Münchner Sezession, 1897 Mitbegründer der Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk und von 1903 bis 1907 Leiter der Kunstgewerbeschule Düsseldorf. Er entwarf für Franz Bahner das Modell 6300. Die Zusammenarbeit mit Behrens positionierte Bahner im Kontext der deutschen Reformbewegung um 1900 und verband die Firma mit einem der einflussreichsten Gestalter des frühen 20. Jahrhunderts.
Emil Lettré (1876–1954): Lettré stammte aus einer Hugenottenfamilie, wuchs in Hanau auf und absolvierte dort die Goldschmiedelehre sowie die Zeichenakademie. Wanderjahre führten ihn nach Wien, Budapest, Paris und München, bevor er sich um 1900 in Berlin niederließ. 1905 trug er mit eigenen Entwürfen zum Kronprinzensilber anlässlich der Hochzeit von Kronprinz Wilhelm mit Cecilie von Mecklenburg-Schwerin bei. Sein Besteckmodell in glatter Ausführung (Modell 6300) wurde 1931 von Bruckmann & Söhne, Heilbronn, ausgeführt und auf der 6. Triennale in Mailand 1936 mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Lettrés Biografie ist im Modellkatalog der Silberwaren-Fabrik Franz Bahner dokumentiert, was eine inhaltliche Verbindung belegt, auch wenn die Ausführungsrechte bei Bruckmann lagen.
Gebhard Duve (1899–1977): Duve war Berliner Innenarchitekt, Künstler und Gestalter. Er arbeitete u. a. als Entwerfer für Bahner und Margraf & Co. 1947 emigrierte er nach Südafrika, wo er selbstständig als Goldschmied tätig war. Seine Entwürfe für Bahner (Modelle 17700 und 18000) stehen stilistisch zwischen Art Déco und sachlicher Moderne der 1930er Jahre.
Helmut Warneke (1927–2017): Warneke erhielt seine Ausbildung als Ziseleur von 1945 bis 1948 an der Bremer Silberwarenfabrik Koch & Bergfeld. Von 1950 bis 1952 studierte er an der Staatlichen Höheren Fachschule für das Edelmetallgewerbe Schwäbisch Gmünd. Von 1954 bis 1958 war er Mitarbeiter bei Wilhelm Wagenfeld in Stuttgart. Danach arbeitete er als selbstständiger Kunsthandwerker u. a. für Franz Bahner Düsseldorf, Peter Bruckmann und Söhne Heilbronn sowie WMF Geislingen. Seine Tätigkeit für Bahner fällt in die Nachkriegsperiode der Firma.
Bedeutung für das deutsche Jugendstil-Silberbesteck
Franz Bahner / VSF nimmt in der Geschichte des deutschen Jugendstil-Silberbestecks eine besondere Stellung ein. Das Unternehmen verband ab der Gründungsphase um 1895 traditionelles Silberschmiedehandwerk mit dem programmatischen Reformwillen der Jugendstilbewegung. Die Zusammenarbeit mit Peter Behrens — einem der zentralen Protagonisten des deutschen Kunstgewerbes um 1900 — belegt den gestalterischen Anspruch der Firma. Mit dem Düsseldorfer Knoten (Modell 2800) schuf das Unternehmen ein Besteckmuster, das bis heute als Klassiker des deutschen Jugendstils gilt und den Übergang von historistischen Ornamenten zur fließenden Formensprache des Jugendstils exemplarisch verkörpert. Die Einbindung in den Mansfeld-Konzern ab 1915 sicherte die Rohstoffversorgung und industrielle Kontinuität, ohne den künstlerischen Anspruch aufzugeben — wie die späteren Entwürfe von Duve und Warneke belegen. Die Firma steht damit für einen für Deutschland typischen Weg: künstlerisch ambitioniertes Silberbesteck in industrieller Fertigung, mit nachweisbaren Verbindungen zu den wichtigsten gestalterischen Strömungen von Jugendstil über Art Déco bis zur Nachkriegsmoderne.
Preisangaben Silberbestecke:
Aus der Literatur: Silberwaren-Fabrik Franz Bahner 1895-1962 „Echt silberne Bestecke nach künstlerischen Entwürfen“. Falk Möller, 2021.
„Preisangaben bei Silberbestecken… „Um den Verkaufspreis für ein Silberbesteck zu ermittlen, wurden die Muster in Gewichtsgruppen (600 g., 700 g., 800 g., 900 g. und 1000 g.) sowie in drei Preisgruppen eingeteilt, die den Fasson- bzw. Arbeitspreis für die Herstellung des Musters beinhaltete. Hinzu kamen Kosten für Gravuren und Vergoldungen. Die Gewichtsangabe der Gewichtsgruppe (also beispielsweise 600 g.) bezog sich auf das Gewicht von 12 Tafellöffeln des entsprechenden Modells. Diese Aufteilung der Preise wurde 1933 durch den Verband der Silberwarenfabrikaten aufgehoben. Von nun an wurde dem Kunden das Besteck zu einem Gesamtpreis angeboten.“
Literatur: Falk Moeller, Silberwaren-Fabrik Franz Bahner 1895-1962 „Echt silberne Bestecke nach künstlerischen Entwürfen“ ISBN: 9783753427362
„Silberwaren-Fabrik Franz Bahner OHG Düsseldorf, 1895 bis 1913.
Einzige Spezialität: Nur echt silberne Bestecke nach künstlerischen Entwürfen. Dies war das Motto Franz Bahners, das in vielen Werbeschriften zu lesen ist. Nach seinem Ausscheiden aus der Firma H.-J. Butzon im Jahre 1895 gründete Franz Bahner im selben Jahr die Silberwaren-Fabrik Franz Bahner OHG Düsseldorf, die sich auf Vollsilberbestecke spezialisierte. Die neu errichtete Fabrikation startete mit 25 Mitarbeitern und befand sich iin der Vollmerswerther Strasse 80-86, Düsseldorf. Ab 1904 ist Franz Bahner alleiniger Inhaber.
Die Fabrik-Marke war der Löwenkopf, und die Franz Bahner OHG entwickelte sich zu einem der führenden Unternehmen ihrer Art im Rheinland. 1905 Die Modellpalette umfasste 1905 bereits 66 unterschiedliche Muster, von denen viele in über 100 unterschiedlichen Besteckteilvarianten angeboten wurden. In seiner Preisliste legte Bahner Wert darauf, zu betonen: Zu den Obst-, Konfektbestecken etc. mit vergoldeten Stahlklingen werden nur 1.a. geschmiedete Klingen verwendet, gegossene II. Qualität wie vielfach üblich, führe ich nicht.
Die gute Qualität sollten auch Entwürfe der „Ersten Künstler“ belegen. So entwarf Peter Behrens mindestens vier Bestecke für Bahner, auch Wilhelm Heinrich Kreis und ein gewisser Prof. Hübner reihten sich in die Riege der „ersten Künstler“ ein. Teile des Modell 3 von Henry van de Velde wurden ebenfalls bei Bahner gefertigt und auch das „Kunstwart“ Besteck wurde für M.T. Wetzlar bei Bahner produziert.“
Literatur: THE PARIS SALONS 1895-1914 Volume V, Objects d´art and metalware La Maison Moderne Paris
Literatur: Reinhard W. Sänger: Das Deutsche Silber-Besteck: Biedermeier, Historismus, Jugendstil (1805-1918): Firmen, Techniken, Designer und Dekore [Arnoldsche Art Publishers, Stuttgart (1991)]
Literatur: Barbara Grotkamp-Schepers, Reinhard W. Sänger: Bestecke des Jugendstils: Bestandskatalog des Deutsches Klingenmuseum Solingen [Arnoldsche (2000)] Seite 142, Nr.166;
weiterführende Literatur:
Susanne Prinz: Besteck des 20. Jahrhunderts. Vom Tafelgeschirr zum Wegwerfartikel. München 1993.
Literatur: Jochen Amme: Historische Bestecke. Formenwandel von der Altsteinzeit bis zur Moderne [Arnoldsche (2003)]
Literatur: Klesse, MAK, Querschnitt durch Sammlungen, Köln 1989
Literatur: Sammlung Broehan, Bestandskataloge; Band IV Metallkunst
Für Sammler von Jugendstilbestecken lohnt sich der Besuch in Solingen im: Deutsches Klingenmuseum Solingen, Jugendstilbestecke
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