Zur aktuellen Lage am Silbermarkt „Ich bin seit über 30 Jahren in diesem Geschäft tätig und habe einen derart schnellen Anstieg des Silberpreises bislang nicht erlebt. Die Auswirkungen zeigen sich bereits deutlich am Markt: Verfügbarkeit und Nachbeschaffung werden spürbar schwieriger, insbesondere bei zusammenpassenden Teilen und gutem Erhaltungszustand.

Für Sammler und Nutzer hochwertiger Tafelkultur bedeutet das: Wer noch ergänzen oder Lücken schließen möchte, sollte dies zeitnah prüfen, da spätere Nachkäufe erfahrungsgemäß mit höherem Aufwand und deutlich steigenden Preisen verbunden sind. Gleichzeitig gewinnt in diesem Zusammenhang der alte dänische Begriff „Erbsilber“ neue Aktualität - als Ausdruck für langlebige, werthaltige Bestände, die nicht nur genutzt, sondern über Generationen weitergegeben werden.“

Peter Behrens, Bahner Modell-Nr. 8002 Silber Besteck

Peter Behrens, Bahner Modell-Nr. 8002 Silber Besteck,
Entwurf: Peter Behrens um 1904,
Ausfuehrung: Franz Bahner AG, Silberwarenfabrik, Duesseldorf, Silber 800 / VSF,
Lit.: R. W. Saenger, Das Deutsche Silber-Besteck ( Biedermeier Historismus Jugendstil, 1805-1918) Seite 120.

Preis auf Anfrage
Art.Nr. 1174-1
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Peter Behrens, Bahner Modell-Nr. 8002 Silber Besteck
Duesseldorfer Jugendstil Silberbesteck, Bestecke, Tafelbesteck
Besteck,
Entwurf: Peter Behrens um 1904
Ausfuehrung: Franz Bahner AG, Silberwarenfabrik, Duesseldorf, Deutschland
Silber 800
Zustand: sehr gut

1903–1907, Aufenthalt von Peter Behrens in Düsseldorf.

Verschiedene Stücke des Bestecks befinden sich in der Sammlung Deutsches Klingen Museum Solingen. Es lohnt sich zu stoebern!
Auch zur Zeit in der Austellung (2023): STILWENDE 1900. – Schönheiten einer Epoche. – Jugendstil – Secession – Art Nouveau – Stile Liberty. Die SAMMLUNG GEISLER.
JUGENDSTILFORUM BAD NAUHEIM

Historie:
Firmengeschichte und Eigentümerstruktur
Die Silberwarenfabrik Franz Bahner AG Düsseldorf wurde 1895 von Franz Bahner gegründet. 1899 gründeten zwei Söhne des Anton (Anton Franz Hubert) Bahner — Anton Bahner jun. und Wilhelm Bahner — die „Silberwarenfabrik Gebrüder Bahner“, die später in der Vereinigten Silberwarenfabriken AG Düsseldorf aufging. Zwei weitere Söhne führten eigene Silberwarenfabriken: Franz Bahner in Düsseldorf und Louis Bahner in Berlin.
Die Familie Bahner war damit mit mehreren Betrieben ein bedeutender Akteur der deutschen Silberindustrie um 1900.
Im Jahr 1915 erwarb die Mansfelder Kupferschiefer bauende Gewerkschaft die Silberwarenfabrik Franz Bahner AG Düsseldorf. Mansfeld war ein mitteldeutsches Montanunternehmen, das sich mit der Gewinnung von Kupfer, Silber sowie anderen NE-Metallen aus Kupferschiefer und der Verarbeitung der gewonnenen Metalle beschäftigte. Die Übernahme stellte eine vertikale Integration dar: vom Silberbergbau bis zum fertigen Tafelsilber aus einer Hand.
Am 18. Oktober 1921 wurde die Gewerkschaft in die „Mansfeld AG für Bergbau und Hüttenbetriebe“ Eisleben überführt. Franz Bahner blieb Tochterunternehmen der Mansfeld AG. Bahner-Bestecke sind daher auch unter dem Begriff Mansfelder Silber bekannt.
Punzierung: Halbmond, Krone, 800 für Silberfeingehalt 800/1000, Meistermarke „gekreuzte Hämmer“ mit den Buchstaben M S für Mansfelder Silber. Die Firma bestand bis etwa 1962.

Entwerfer
Peter Behrens (1868–1940): Behrens war 1892 Mitbegründer der Münchner Sezession, 1897 Mitbegründer der Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk und von 1903 bis 1907 Leiter der Kunstgewerbeschule Düsseldorf. Er entwarf für Franz Bahner das Modell 6300. Die Zusammenarbeit mit Behrens positionierte Bahner im Kontext der deutschen Reformbewegung um 1900 und verband die Firma mit einem der einflussreichsten Gestalter des frühen 20. Jahrhunderts.

Emil Lettré (1876–1954): Lettré stammte aus einer Hugenottenfamilie, wuchs in Hanau auf und absolvierte dort die Goldschmiedelehre sowie die Zeichenakademie. Wanderjahre führten ihn nach Wien, Budapest, Paris und München, bevor er sich um 1900 in Berlin niederließ. 1905 trug er mit eigenen Entwürfen zum Kronprinzensilber anlässlich der Hochzeit von Kronprinz Wilhelm mit Cecilie von Mecklenburg-Schwerin bei. Sein Besteckmodell in glatter Ausführung (Modell 6300) wurde 1931 von Bruckmann & Söhne, Heilbronn, ausgeführt und auf der 6. Triennale in Mailand 1936 mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Lettrés Biografie ist im Modellkatalog der Silberwaren-Fabrik Franz Bahner dokumentiert, was eine inhaltliche Verbindung belegt, auch wenn die Ausführungsrechte bei Bruckmann lagen.

Gebhard Duve (1899–1977): Duve war Berliner Innenarchitekt, Künstler und Gestalter. Er arbeitete u. a. als Entwerfer für Bahner und Margraf & Co. 1947 emigrierte er nach Südafrika, wo er selbstständig als Goldschmied tätig war. Seine Entwürfe für Bahner (Modelle 17700 und 18000) stehen stilistisch zwischen Art Déco und sachlicher Moderne der 1930er Jahre.

Helmut Warneke (1927–2017): Warneke erhielt seine Ausbildung als Ziseleur von 1945 bis 1948 an der Bremer Silberwarenfabrik Koch & Bergfeld. Von 1950 bis 1952 studierte er an der Staatlichen Höheren Fachschule für das Edelmetallgewerbe Schwäbisch Gmünd. Von 1954 bis 1958 war er Mitarbeiter bei Wilhelm Wagenfeld in Stuttgart. Danach arbeitete er als selbstständiger Kunsthandwerker u. a. für Franz Bahner Düsseldorf, Peter Bruckmann und Söhne Heilbronn sowie WMF Geislingen. Seine Tätigkeit für Bahner fällt in die Nachkriegsperiode der Firma.

Bedeutung für das deutsche Jugendstil-Silberbesteck
Franz Bahner / VSF nimmt in der Geschichte des deutschen Jugendstil-Silberbestecks eine besondere Stellung ein. Das Unternehmen verband ab der Gründungsphase um 1895 traditionelles Silberschmiedehandwerk mit dem programmatischen Reformwillen der Jugendstilbewegung. Die Zusammenarbeit mit Peter Behrens — einem der zentralen Protagonisten des deutschen Kunstgewerbes um 1900 — belegt den gestalterischen Anspruch der Firma. Mit dem Düsseldorfer Knoten (Modell 2800) schuf das Unternehmen ein Besteckmuster, das bis heute als Klassiker des deutschen Jugendstils gilt und den Übergang von historistischen Ornamenten zur fließenden Formensprache des Jugendstils exemplarisch verkörpert. Die Einbindung in den Mansfeld-Konzern ab 1915 sicherte die Rohstoffversorgung und industrielle Kontinuität, ohne den künstlerischen Anspruch aufzugeben — wie die späteren Entwürfe von Duve und Warneke belegen. Die Firma steht damit für einen für Deutschland typischen Weg: künstlerisch ambitioniertes Silberbesteck in industrieller Fertigung, mit nachweisbaren Verbindungen zu den wichtigsten gestalterischen Strömungen von Jugendstil über Art Déco bis zur Nachkriegsmoderne.

Preisangaben Silberbestecke:
Aus der Literatur: Silberwaren-Fabrik Franz Bahner 1895-1962 „Echt silberne Bestecke nach künstlerischen Entwürfen“. Falk Möller, 2021.
„Preisangaben bei Silberbestecken… „Um den Verkaufspreis für ein Silberbesteck zu ermittlen, wurden die Muster in Gewichtsgruppen (600 g., 700 g., 800 g., 900 g. und 1000 g.) sowie in drei Preisgruppen eingeteilt, die den Fasson- bzw. Arbeitspreis für die Herstellung des Musters beinhaltete. Hinzu kamen Kosten für Gravuren und Vergoldungen. Die Gewichtsangabe der Gewichtsgruppe (also beispielsweise 600 g.) bezog sich auf das Gewicht von 12 Tafellöffeln des entsprechenden Modells. Diese Aufteilung der Preise wurde 1933 durch den Verband der Silberwarenfabrikaten aufgehoben. Von nun an wurde dem Kunden das Besteck zu einem Gesamtpreis angeboten.“

Literatur: Falk Moeller, Silberwaren-Fabrik Franz Bahner 1895-1962 „Echt silberne Bestecke nach künstlerischen Entwürfen“ ISBN: 9783753427362
Literatur: R. W. Saenger, Das Deutsche Silber-Besteck ( Biedermeier Historismus Jugendstil 1805-1918) Seite 120.
Sammlung Broehan, Bestandskataloge; Band IV Metallkunst, Seite 7

Literatur: Barbara Grotkamp-Schepers, Reinhard W. Sänger: Bestecke des Jugendstils: Bestandskatalog des Deutsches Klingenmuseum Solingen [Arnoldsche (2000)] Seite 79, Nr.70.

Stichwort: Sterling Silber Tafelbesteck, Essbesteck, Entwerferbesteck, Design

weiterführende Literatur:
Museum Künstlerkolonie Darmstadt. Katalog. Hrsg.: Institut Mathildenhöhe Darmstadt, Darmstadt 1990, Seite 3 ff.

Susanne Prinz: Besteck des 20. Jahrhunderts. Vom Tafelgeschirr zum Wegwerfartikel. München 1993.
Literatur: Jochen Amme: Historische Bestecke. Formenwandel von der Altsteinzeit bis zur Moderne [Arnoldsche (2003)]
Literatur: Klesse, MAK, Querschnitt durch Sammlungen, Köln 1989
Literatur: Sammlung Broehan, Bestandskataloge; Band IV Metallkunst, Seite 7 ff.

Peter Behrens [Hamburg 1868 – 1940 Berlin] dt. Maler u. Grafiker, Architekt, Entwerfer für Möbel, Kunsthandwerk, Schrift. Studium der Malerei in Karlsruhe und Düsseldorf. 1892 Mitbegründer der Münchner Sezession, 1897 Mitbegründer der Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk gemeinsam mit Richard Riemerschmid, Bruno Paul u. anderen. 1903-07 Leiter der Kunstgewerbeschule Düsseldorf, seit 1907 Künstlerischer Beirat der AEG Berlin. Bis hierhin entwarf er zahlreiche Kunstgewerbe Stücke, Bestecke, Möbel, Industrie- sowie Repräsentationsgebäude. Im Jahre 1909 erhielten Fritz Schumacher, Peter Behrens, Fritz Erler und Georg Wrba den Auftrag, die vom Architekten Ludwig Bopp aus Köln erbaute Villa für den Industriebesitzer Max Meirowsky in Köln-Lindenthal auszustatten. 1914 Teilnahme an der Ausstellung: „Die Deutsche Werkbund-Ausstellung Cöln 1914“, u.a. mit Möbeln.
1922 wird er nach Wien berufen als Professor der Meisterschule für Architektur an der Akademie der Bildenden Künste, es folgen 1929/35 städtbauliche Entwürfe für Berliner Großbauten, bevor er 1936 ein Meisteratelier der Baukunst an der Akademie der Künste in Berlin übernimmt. Behrens Entwürfe sind in zahlreichen Museen vertreten, u.a. im MAKK Köln, in der Sammlung Mathildenhöhe, im Metropolina Museum of Modern Art New York etc.

Fritz Erler, Sammlung Lehnbachhaus, München

Villa Meirowski, Köln

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