Zur aktuellen Lage am Silbermarkt „Ich bin seit über 30 Jahren in diesem Geschäft tätig und habe einen derart schnellen Anstieg des Silberpreises bislang nicht erlebt. Die Auswirkungen zeigen sich bereits deutlich am Markt: Verfügbarkeit und Nachbeschaffung werden spürbar schwieriger, insbesondere bei zusammenpassenden Teilen und gutem Erhaltungszustand.

Für Sammler und Nutzer hochwertiger Tafelkultur bedeutet das: Wer noch ergänzen oder Lücken schließen möchte, sollte dies zeitnah prüfen, da spätere Nachkäufe erfahrungsgemäß mit höherem Aufwand und deutlich steigenden Preisen verbunden sind. Gleichzeitig gewinnt in diesem Zusammenhang der alte dänische Begriff „Erbsilber“ neue Aktualität - als Ausdruck für langlebige, werthaltige Bestände, die nicht nur genutzt, sondern über Generationen weitergegeben werden.“

EMMY ROTH [Hattingen 1885 – 1942 Tel Aviv]
Emmy Roth ist neben Paula Straus die Silberschmiedin der Bauhauszeit. Ihr Oevre ist breit gefächert: sie arbeitet mit Edel- und Buntmetall, mit verschiedenen Steinen, Schildpatt und Elfenbein, es entstehen Schmuck-, Schnitz- und Treibarbeiten. Ihr Stil entwickelt sich von reich verzierten Kleingeräten über eine expressionistisch geprägte Formensprache hin zu einem schlichten, vom Bauhaus geprägten sachlichen Stil. Leitmotiv bleibt stets eine organische Formbildung.
Aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie des Bildungsbürgertums stammend, widmet sich Emmy Roth [geb. Urias] der Gold- und Silberschmiedekunst und lernt in Düsseldorf, Berlin und Paris. Die ab ca. 1907 freischaffende Künstlerin gründet im Berlin der 1910er Jahre ihre eigene Werkstatt in Charlottenburg und ist dort bis 1933 tätig, unter anderem fertigt sie Entwürfe für Bruckmann & Söhne, Heilbronn. Sie gehört zu den frühen Mitgliedern der GEDOK, gegründet 1926 von Ida Dehmel, in der sich kunstschaffende Frauen zusammenschließen. Nach ihrem 25jährigen Künstlerjubiläum im Winter 1932/33 sieht sie sich aufgrund der politischen Entwicklung gezwungen, nach Paris zu emigrieren, wo sie ebenfalls eine eigenen Werkstatt unterhält, von dort aber 1935 weiter nach Palästina geht. Während ihres Aufenthalts in den Niederlanden 1937/38 entwirft sie im Bereich Industrie-Design Objekte für die Zilverfabriek Voorschoten. Zurück in Palästina, wo sie sich wohl vor allem mit der Fertigung von Judaica finanziert, wird ihr Krebs diagnostiziert. 1942 wählt sie den Freitod und stirbt in Tel Aviv.

Literatur: Frauen-Silber: Paula Straus, Emmy Roth & Co. Silberschmiedinnen der Bauhauszeit. Ausstellungskatalog 2011