H J Wilm Hamburg, Leuchter 925er Silber 1940er Jahre

Leuchter, Kerzenleuchter, Tafelleuchter, Kommunions-Leuchter. Entwurf: Ferdinand Richard Wilm (1880-1971) 1940er Jahre. Ausführung: Fa. Hermann Julius Wilm, Hamburg ca. 1948-1950, Silber 925

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Art.Nr. 0812
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H J Wilm Hamburg, Leuchter 925er Silber 1940er Jahre

H J Wilm – Hamburg, eleganter Sterling-Silber Leuchter, Handgeschlagen, Handarbeit 1940er 50er Jahre

Leuchter, Kerzenleuchter, Tafelleuchter, Kommunions-Leuchter
Entwurf: Ferdinand Richard Wilm (1880-1971) 1940er Jahre
Ausführung: Fa. Hermann Julius Wilm, Hamburg ca. 1948-1950, Silber 925
gemarkt: H. J. Wilm, Hamburg, 935 (925) sowie Firmenzeichen W mit Krone
Maße: Höhe 12 cm, D.10 cm – 1 Inch = 2,54 cm –
Zustand: sehr gut

Literatur:
Demmrich, Stephan: H. J. Wilm: Deutsche Silbergestaltung im 20. Jahrhundert, Dissertation, Bonn 1997.
Joppien, Rüdiger: Wilm, Ferdinand Richard. In: Franklin Kopitzsch, Dirk Brietzke (Hrsg.): Hamburgische Biografie. Band 5. Wallstein, Göttingen 2010, S. 372–374.

Silber Arbeiten von H. J. Wilm in: Deutsche Kunst und Dekoration, illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten, 1930.

Weiterführende Literatur:
Löhr, Alfred: Bremer Silber. Von den Anfängen bis zum Jugendstil. Focke Museum, Bremen 1982.
Metallkunst, Silber – Kupfer – Messing – Zinn, Vom Jugenstil zur Moderne Kunst vom Jugendstil zur Moderne (1889 – 1939) / Sammlung Karl H. Bröhan, Berlin; Bd. IV., Berlin 1990
Literatur: Badisches Landesmuseum Karlsruhe: Frauensilber. Paula Straus, Emmy Roth & Co.Silberschmiedinnen der Bauhauszeit. Karlsruhe 2011.
Ausstellung im Bröhan-Museum, Berlin (7. Juli bis 9. Oktober 2011)
Bröhan, Torsten und Berg, Thomas: Avantgarde Design 1880-1930. Köln 1994.

Artikel (XXXIII. September 1930) : Edelschmiede-Arbeiten von H.J. Wilm Berlin. von Prof.L.Segmiller, Pforzheim

veredelte Formung, höchste Qualität der neuzeitlichen Leistung, kurz Besinnung auf den alten Werkstattgeist.

….. Mehr wie je und inniger als andere Zweige der angewandten Künste ist aber die Gold- und Silberschmiedekunst mit den Forderungen der Zweckmäßigkeit und des Materials verschwistert. Zweckmäßigkeit ist zugleich Zeitgemäßheit, Ma-terialforderung zugleich technische Forderung. Ganze Stadtviertel werden niedergerissen und neu aufgebaut.

Die Wohnungsreform ist tatsächlich zu einer neuen Wohnform gediehen.
Streng und hart pocht der neue Geist auch an die Werkstattüre des Edelschmieds. Seine Situation als sachverwalter des köstlichsten Materials ist schwierig. So manche haben angesichts der formalen Askese nun den Stoffwillen vergessen oder glauben ihm in der primitivsten Art gerecht zu werden. Allein Leere und Dürftigkeit widersprechen ihm. Ebenso eine Gestaltung, die unedlem Material gerecht ist, so einfache Kisten-, Scheiben-, Zylinder – Formen und Halbkugeln.
Sonderbar: Auch die moderne Wohnung fordert, gerade weil sie fast nichts Schmückendes mehr enthält, in dem
Wenigen das Edle. Hand oder Maschine ohne Geist ist Barbarismus.
Umso mehr wenn es sich um die Wunder der Steine, um die Köstlichkeit von Gold und Silber handelt.
Das Ornament der alten Art ist tot, aber die Form ist in aller Verantwortung auferstanden.

Zu den Edelschmieden, die sie in voller Schwere fühlen, gehört H. J. Wilm, Berlin.
Kein Wunder, seine Werkstatt blickt als Familienbesitz auf Jahrhunderte zurück. Dies ist Verpflichtung aber auch Reichtum des Erbes. Tradition nicht der Form, aber der Haltung und des Geistes. Solches tut not auch in dem sich neu formenden Weltbild. Denn jede Wandlung ist nicht ohne Beziehung. Selbst in den stärksten Gegensätzen erstehen, weil alles Fluß, Entwicklung ist, Zusammenhänge. Unser Ziel im Goldschmiedehandwerk kann daher nimmer Verachtung des Stoffes heißen. Es muß lauten: veredelte Formung, höchste Qualität der neuzeitlichen Leistung, kurz Besinnung auf den alten Werkstattgeist.

Ein Äußerliches.
Wilms Beschauzeichen:
das Wappen mit dem Bären als Herkunftsstempel, das Wappen mit der Krone und den Buchstaben H. J. W. als Zeichen des Werkgeschlechtes, das Wappen mit den Buchstaben F. R. als Beschauzeichen des jetzigen Inhabers und Erzeugers. Dies ist keine muffige Altertümelei, aber eine Betonung der individuellen Arbeit und nicht zuletzt ein Wertstempel. Kommende Zeiten und Sammler werden das Beschauzeichen wieder zu schätzen wissen, wie wir heute den Stempel alter europäischer oder ostasiatischer Metallarbeiten und Porzellane.

Das Wesentliche.

Die Form ist für den Künstler Wilm aus der Zweckmäßigkeit emporgebrachte Architektur. Ich sage absichtlich Architektur, denn Konstruktion, Kalkül allein heißt noch nicht bauen. Je einfacher die Form ist, desto feinsinniger muß das Verhältnis der Gliederung, je härter die Funktion ruft, desto künstlerischer die Gestaltung sein. Man spüre auch den, der die Flächen wölbt. Mag man heute auch mit neuen Werkzeugen, ja selbst mit der Maschine als Werkzeug arbeiten, – unter dem Leben der Form muß sich die Lebendigkeit des Handwerks regen, dann wird auch das Feuer des Materials in aller Kostbarkeit zur Wertung gelangen. Alles Eigenschaften, die Wilms Schöpfungen auszeichnen. Man besehe den handgeschlagenen Silberleuchter in seiner standsicheren und doch eleganten gestalt! Das reizvolle Rahmservice, die streng folgerichtig und doch künstlerisch eigenwillige silberne Heißwasserkanne. Alle
Schalenbildungen, die Obst- und Konfektschalen in ihrer gebundenen Freiwilligkeit der Wölbung interessieren stark und namentlich die montierte und getriebene Zierdose in Silber in der Hervorhebung von Lichtern und Reflexen durch die Hammerarbeit. Die schön geformten Toilettengeräte verraten durch die Handgravierung den Beginn einer neuen Orna-mentik, deren Wesenheit in einer Wechselwirkung zwischen Glanz und Matt besteht.
Das von Peter Behrens angegebene handgeschmiedete Besteck zeigt eine eigenartige und starke Lösung.
Eine besondere Gruppe bedeuten die eigentlichen Goldschmiedearbeiten:
Die Ringe, Ketten und Anhänger. Begibt man sich hier auch auf zierfreudiges Gebiet, das sich an persönlichen Geschmack wendet, so bezeugen zum Beispiel die Ringe wieder das Gefühl des Künstlers für Bau und gewählte Durchbildung, Die koloristische Wirkung der Edelsteine verschmilzt mit den blanken Farben des Edelmetalls zu einer Einheit. Modernste Schöpfungen, entstanden aus echtem alten Handwerksgeist.
Noch eine Anregung. Warum wird neuzeitliche Silber- und Goldschmiedekunst nicht mehr gesammelt? Es gibt so manchen neuzeitlich fühlenden Goldschmied in Deutschland, dessen Arbeiten des Sammelns wert erscheinen. Sind solche Kostbarkeiten und Zeugen einer neuen Zeit nicht eben solcher Schätzung wert wie Perserteppiche, fremde Bücher oder ausländische Gläser und Spitzen? . .
L. S.

 

Ferdinand Richard Wilm absolvierte von 1899 bis 1903 eine Banklehre und studierte von 1903 bis 1904 an der Hanauer Zeichenakademie. Anschließend lebte er mehrere Jahre in London und New York. Dann ging er zurück nach Berlin. Seine Vorfahren unterhielten hier ein 1767 durch Gottfried Ludewig Wilm gegründetes Juweliergeschäft, das der Großvater Hermann Julius Wilm (1812–1907) und der Vater Johann Paul Friedrich Wilm (1840–1923) fortgeführt hatten.
In Berlin erhielt Friedrich Richard Wilm wie sein Bruder Johann David 1911 Anteile an dem väterlichen Juweliergeschäft, das unter H. J. Wilm firmierte und ein Jahr später zum kaiserlichen Hofjuwelier aufstieg. Nachdem der Vater 1923 verstorben war, erwarb Wilm die Silberschmiedewerkstätten Paul Teige und J. Godet & Sohn und baute sie zu einer zeitgemäßen Goldschmiedewerkstatt aus. Da er nach dem Ende des Ersten Weltkriegs keine weiteren Aufträge aus adligen Kreisen erhielt, bot Wilms silbernes, zeitlos und modern gehaltenes und handwerklich exzellent gefertigtes Besteck an, mit dem er größere Kundenkreise des Bürgertums erreichen wollte.
Wilm übernahm viele Ämter in Berufsverbänden. Von 1919 bis 1926 gehörte er dem Vorstand des Reichsverbands der deutschen Juweliere, Gold- und Silberschmiede an. Gemeinsam mit Peter Behrens und Wilhelm Waetzoldt gründete er 1932 die noch heute existierende Deutsche Gesellschaft für Goldschmiedekunst, die Künstlerwettbewerbe veranstaltete und der Schmiedekunst zu mehr Präsenz in Ausstellungen verhalf. Wilm organisierte viele Ausstellungen, schrieb selbst und verstand, erfolgreich für die Branche zu werben. Auf der Weltausstellung in Paris 1937 und der Mailänder Triennale 1940 erhielt er Goldmedaillen. Hermann Göring bestellte bei dem Juwelier Prunksilber, Ehrenkassetten und Marschallstäbe, die seinerzeit Wilms Ansehen erhöhten.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verlegte Wilm den Firmensitz 1945 nach Aumühle. Drei Jahre später zog H. J. Wilm nach Hamburg in ein von den Architekten Tinneberg und vom Berg elegant gestaltetes Ladenlokal am Ballindamm Nummer 8. Der Juwelier fertigte hier insbesondere silbernes Tafelgerät und Juwelenschmuck und kreierte Ehrenpreise und Sonderaufträge für das Ratssilber von Städten wie Berlin, Pforzheim, Düsseldorf, Hamburg oder Hanau. Wilm schuf viele Stücke des Sortiments mehrfach, gestaltete aber auch neue, zeitgemäße Stücke. Bei Sonderanfertigungen nahm er die Dienste von Kunsthandwerkern wie dem Silberschmied Erwin Winkler oder Vera Crodel-Steckner-von Claer in Anspruch. 1967 übertrug Wilm die Firma an seinen Sohn Renatus (1927–1998), der sie selbstständig weiterführte und den Betrieb 1996 einstellte. Sein Sohn Marc Wilm (* 1962) gründete 1997 die Firma in kleinerem Umfang neu. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Richard_Wilm)

Schlagwörter: Hans Schmid, Hanau, D.H. Gumbel, Emil Lettré, Franz Rickert, Willy Stoll, Wollenweber München, Paula Straus, Elisabeth Treskow, Herbert Zeitner, H.J. Wilm, A.Feinauer Weimar, Emmy Roth, A.Mogler, Schober und Bruckmann, Julius Schneider, München, Menner, Stuttgart, Ulla Kaufmann, Martin Kaufmann, Hildesheim, Grassimesse

H J Wilm Hamburg, Leuchter 925er Silber 1940er Jahre

H J Wilm – Hamburg, Silberner Leuchter, Handgeschlagen

Leuchter, Kerzenleuchter, Tafelleuchter, Kommunions-Leuchter
Entwurf: Ferdinand Richard Wilm (1880-1971) 1940er Jahre

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