Zur aktuellen Lage am Silbermarkt „Ich bin seit über 30 Jahren in diesem Geschäft tätig und habe einen derart schnellen Anstieg des Silberpreises bislang nicht erlebt. Die Auswirkungen zeigen sich bereits deutlich am Markt: Verfügbarkeit und Nachbeschaffung werden spürbar schwieriger, insbesondere bei zusammenpassenden Teilen und gutem Erhaltungszustand.

Für Sammler und Nutzer hochwertiger Tafelkultur bedeutet das: Wer noch ergänzen oder Lücken schließen möchte, sollte dies zeitnah prüfen, da spätere Nachkäufe erfahrungsgemäß mit höherem Aufwand und deutlich steigenden Preisen verbunden sind. Gleichzeitig gewinnt in diesem Zusammenhang der alte dänische Begriff „Erbsilber“ neue Aktualität - als Ausdruck für langlebige, werthaltige Bestände, die nicht nur genutzt, sondern über Generationen weitergegeben werden.“

Jochim Penßhorn Hamburger Barockbecher mit außergewöhnlichem Blütendekor, um 1650

Hamburger Silberbecher des Frühbarock, um 1650–1660, Meister Jochim Penßhorn, aus massivem Silber mit vergoldetem Inneren und aufwendig getriebener Blütenornamentik.

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Art.Nr. 0880
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Jochim Penßhorn Hamburger Barockbecher mit außergewöhnlichem Blütendekor, um 1650

Jochim Penßhorn Hamburger Barockbecher mit Blütendekor, um 1645-1655

Hamburger Silberbecher des Frühbarock, um 1650–1660, Meister Jochim Penßhorn, aus massivem Silber mit vergoldetem Inneren und aufwendig getriebener Blütenornamentik.

Der seltene Barockbecher zeichnet sich durch drei außergewöhnlich lebendig gestaltete Blumenmotive aus und gehört zu einer kleinen Gruppe vergleichbarer Silberbecher des Hamburger Goldschmieds.

Zwei weitere Becher dieses Meisters sind durch Erich Schliemann und den Ausstellungskatalog „Schöner trinken. Barockes Silber aus einer Basler Sammlung“ dokumentiert – ein bemerkenswerter Zusammenhang für Sammler historischer deutscher Goldschmiedekunst.

Objektangaben:
Meister: Jochim Penßhorn (auch Joachim Penshorn)
Herstellungsort: Hamburg
Datierung: um 1650–1660
Epoche: Frühbarock
Material: Silber, innen vergoldet
Technik: Getrieben, ziseliert und graviert
Höhe: 9,2 cm
Gewicht: 120 g
Marken: Hamburger Beschauzeichen und Meistermarke
Zustand: Altersentsprechend guter Erhaltungszustand

Beschreibung:
Konischer, schwer gearbeiteter Silberbecher auf flachem Boden mit leicht ausgestelltem, mehrfach profiliertem Lippenrand und vollständig vergoldetem Inneren.
Die Wandung ist mit drei unterschiedlichen, großformatigen Blüten geschmückt, die sich aus frei geschwungenen Stängeln und Blättern entwickeln.
Besonders bemerkenswert ist die ungewöhnliche Lebendigkeit dieser Ornamentik. Die Blüten erscheinen nicht als schematisch wiederholte Dekorelemente, sondern als individuell gestaltete Pflanzenformen mit unterschiedlichen Blütenständen, Knospen und Blattbildungen.
Die kraftvoll getriebenen Konturen werden durch sorgfältige Ziselierung und Gravur ergänzt. Einzelne Blütenblätter scheinen sich zu öffnen, während die geschwungenen Stängel eine beinahe natürliche Wachstumsbewegung vermitteln.
Diese ausdrucksstarke Gestaltung geht deutlich über eine durchschnittliche florale Verzierung barocker Silbergefäße hinaus. Die drei Blüten entwickeln jeweils eine eigene plastische Präsenz und verleihen dem Becher einen unverwechselbaren Charakter. Der Kontrast zwischen der ruhigen, glatt polierten Silberoberfläche und dem bewegten Pflanzendekor unterstreicht die künstlerische Qualität der Arbeit.

Kunsthistorische Einordnung:
Die naturalistische Blütenornamentik gehört zu den charakteristischen Entwicklungen der europäischen Goldschmiedekunst des 17. Jahrhunderts.
Während die Ornamentik der Renaissance häufig von streng gegliederten Beschlagwerk- und Rollwerkmotiven bestimmt wurde, gewannen im Verlauf des 17. Jahrhunderts frei entwickelte Pflanzenformen zunehmend an Bedeutung.
Blumenbücher, botanische Illustrationen und Ornamentstiche lieferten wichtige Anregungen für Goldschmiede, Kunsthandwerker und andere Entwerfer.
Auch die Blüten des vorliegenden Bechers stehen in diesem gestalterischen Zusammenhang. Eine konkrete graphische Vorlage ist bislang nicht nachgewiesen.
Die außergewöhnlich freie und zugleich präzise Ausführung spricht für einen Goldschmied, der die zeitgenössische Ornamentik nicht lediglich übernahm, sondern sie eigenständig in die plastische Gestaltung des Silbergefäßes übersetzte.

Jochim Penßhorn und die drei bekannten Vergleichsbecher:
Jochim Penßhorn war in der Mitte des 17. Jahrhunderts als Goldschmied in Hamburg tätig. Seine Schaffenszeit wird in der einschlägigen Literatur in die Jahre um 1647–1661 eingeordnet.
Von besonderem Interesse ist eine kleine Gruppe von drei eng verwandten Silberbechern, die sich diesem Meister zuordnen lassen.

  1. Der vorliegende Silberbecher, Hamburg, um 1650–1660, Höhe 9,2 cm, Gewicht 120 g, mit drei unterschiedlichen Blütenmotiven und vergoldetem Inneren.
  2. Ein weiterer Becher desselben Meisters, abgebildet bei Erich Schliemann, „Die Goldschmiede Hamburgs“, Band III, Abb. 326, mit der Bezeichnung „Jochim Penßhorn, um 1650 (194/1)“. Die historische Abbildung zeigt einen eigenständigen Becher mit vergleichbarer Gefäßform und floraler Ornamentik.
  3. Ein dritter, ebenfalls Jochim Penßhorn zugeschriebener Silberbecher, veröffentlicht im Ausstellungskatalog „Schöner trinken. Barockes Silber aus einer Basler Sammlung“, 2022, Kat.-Nr. 77. Das Vergleichsstück besitzt eine Höhe von 9,2 cm und ein Gewicht von etwa 115 g.

Die nahezu identischen Abmessungen des vorliegenden Bechers und des Basler Vergleichsstücks sowie die enge Verwandtschaft der Blütenornamentik sind bemerkenswert.
Zusammen mit der von Schliemann publizierten Arbeit entsteht das Bild einer kleinen, formal zusammengehörigen Werkgruppe, innerhalb derer sich die individuelle Gestaltung der einzelnen Blüten besonders gut nachvollziehen lässt.

Für den Sammler liegt darin ein wesentlicher zusätzlicher Reiz:
Der Becher ist nicht lediglich ein anonymes Beispiel barocker Silberkunst, sondern lässt sich mit zwei weiteren dokumentierten Arbeiten eines identifizierten Hamburger Meisters unmittelbar vergleichen.

Die drei Becher veranschaulichen eine charakteristische Form- und Dekorationsauffassung innerhalb der Werkstatt Penßhorns. Ob darüber hinaus weitere Exemplare dieses Typs erhalten sind, bleibt offen.

Silberfeingehalt und historische Beschauzeichen:
Im 17. Jahrhundert wurde der Silberfeingehalt im deutschsprachigen Raum üblicherweise in Lot angegeben. Die vollständige Silberlegierung entsprach 16 Lot.
Ein Feingehalt von 12 Lot entsprach 750/1000, 13 Lot 812,5/1000, 14 Lot 875/1000 und 15 Lot 937,5/1000 Silber.
Die jeweiligen Städte legten eigene Mindestfeingehalte und Beschauvorschriften fest. Die Stadtmarke bestätigte die Prüfung nach den örtlich geltenden Vorschriften, während die Meistermarke die verantwortliche Werkstatt bezeichnete.
Die Feingehaltsanforderungen unterschieden sich regional und veränderten sich im Laufe der Jahrhunderte. Eine pauschale Zuordnung sämtlicher norddeutscher Arbeiten zu 12 Lot und süddeutscher Arbeiten zu 13 Lot ist daher nicht möglich.
Mit der reichseinheitlichen Regelung des deutschen Silberstempelwesens von 1884, die 1888 in Kraft trat, wurden die Feingehaltsangaben in Tausendteilen sowie Halbmond und Krone als nationale Silberkennzeichnung eingeführt.
Für einen Hamburger Silberbecher des 17. Jahrhunderts sind hingegen das historische Beschauzeichen und die Meistermarke maßgeblich. Die moderne Feingehaltskennzeichnung 800 oder 925 war damals noch nicht üblich.

Literatur:
Literatur: Marc Rosenberg: Der Goldschmiede Merkzeichen. Band I–IV, Frankfurt am Main, 1922–1928.
Literatur: Erich Schliemann (Hrsg.): Die Goldschmiede Hamburgs. Band I–III, Hamburg: Schliemann & Cie., 1985, insbesondere Band III, Abb. 326, Jochim Penßhorn, um 1650 (Vergleichsstück).
Literatur: Schöner trinken. Barockes Silber aus einer Basler Sammlung. Ausstellungskatalog, Historisches Museum Basel, 2022, Kat.-Nr. 77 (Vergleichsstück).

Weiterführende Literatur:
Literatur: Karl Hernmarck: Die Kunst der europäischen Gold- und Silberschmiede von 1450 bis 1830. München, 1978.
Literatur: Manfred Meinz: Schönes altes Silber. Keysers Handbuch für Sammler und Liebhaber. 2. Auflage, Gütersloh, 1987.
Literatur: Silber auf Reisen. Ausstellungskatalog der Hessischen Hausstiftung, Museum Schloss Fasanerie, Eichenzell, 1991–1992.
Literatur: Reinhold Baumstark, Helmut Seling und Lorenz Seelig: Silber und Gold. Augsburger Goldschmiedekunst für die Höfe Europas. München: Hirmer, 1994.
Literatur: Helmut Seling: Die Augsburger Gold- und Silberschmiede 1529–1868. Meister, Marken, Werke. 3 Bände, München, 2007.
Literatur: Germanisches Nationalmuseum (Hrsg.): Nürnberger Goldschmiedekunst 1541–1868. 2 Bände, Nürnberg, 2007.

Einordnung:
Der vorliegende Silberbecher gehört zu den qualitätvollen Arbeiten der Hamburger Goldschmiedekunst des 17. Jahrhunderts.
Seine besondere Bedeutung liegt in der Verbindung einer klaren, funktionalen Gefäßform mit einer ungewöhnlich kraftvollen und lebendigen Blütenornamentik.
Die Zuordnung zu Jochim Penßhorn und die unmittelbare Vergleichbarkeit mit zwei weiteren publizierten Bechern machen das Stück zu einem kunsthistorisch besonders interessanten Sammlerobjekt des norddeutschen Frühbarock.

Besichtigung:
Eine persönliche Besichtigung ist in unserem Geschäft nach vorheriger fester Terminvereinbarung möglich.

Jochim Penßhorn Hamburger Barockbecher mit außergewöhnlichem Blütendekor, um 1650

Jochim Penßhorn Hamburger Barockbecher mit Blütendekor, um 1645-1655

Hamburger Silberbecher des Frühbarock, um 1650–1660, Meister Jochim Penßhorn, aus massivem Silber mit vergoldetem Inneren und aufwendig getriebener Blütenornamentik.

Weitere hochwertige historische Silberobjekte des Barock, des Jugendstils, des Art Déco und der frühen Moderne sind vorrätig, teilweise auch auf unserer Homepage zu sehen.

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Königsallee 27–31
40212 Düsseldorf
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