Jugendstil Roemer Theresienthal,
Jugendstil Römer mit Mäanderdekor in Gold, Theresienthaler Kristallglasfabrik um 1903
Eleganter Jugendstil-Römer aus der renommierten Theresienthaler Kristallglasfabrik, entstanden um 1903. Das fein proportionierte Weinglas vereint die hohe Qualität der bayerischen Kristallglasproduktion mit einem kunstvoll ausgeführten Mäanderdekor in Gold und zählt zu den charakteristischen Luxusgläsern der deutschen Jugendstilzeit. Aufgrund seiner hervorragenden Erhaltung, der aufwendigen Goldstaffage und der dokumentierten Literaturreferenz gehört dieses Glas zu den gesuchten Beispielen deutscher Trinkglaskunst um die Jahrhundertwende.
Der Römer besticht durch seine harmonische Formgebung und die außergewöhnlich fein ausgeführte Vergoldung. Das umlaufende Mäanderornament verleiht dem Glas eine elegante architektonische Struktur und spiegelt die gestalterischen Tendenzen des frühen Jugendstils wider, in denen geometrische und abstrahierte Dekore zunehmend an Bedeutung gewannen. Die Kombination aus klarem Kristallglas und glänzender Goldmalerei erzeugt eine besonders edle Wirkung und unterstreicht den repräsentativen Charakter des Glases.
Die Verwendung von Gold spielte innerhalb der Jugendstil-Glaskunst eine herausragende Rolle. Gold galt nicht nur als Zeichen höchster Wertigkeit, sondern wurde bewusst als dekoratives Gestaltungsmittel eingesetzt. Während florale Motive häufig die Naturverbundenheit des Jugendstils betonten, entwickelten sich gleichzeitig geometrische und mäanderartige Ornamente, die eine moderne und stilisierte Formensprache repräsentierten. Die feine Goldstaffage dieses Römerglases gehört zu den qualitätvollen Veredelungstechniken, für die Theresienthal um 1900 besondere Anerkennung genoss.
Die Theresienthaler Kristallglasfabrik wurde 1836 im Bayerischen Wald gegründet und entwickelte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einer der bedeutendsten Glasmanufakturen Europas. Unter Benedikt von Poschinger verlagerte sich der Schwerpunkt der Produktion zunehmend auf künstlerisch gestaltete Jugendstilgläser, die durch ihre hohe Qualität und ihre innovativen Veredelungstechniken internationale Beachtung fanden. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts arbeitete die Manufaktur mit führenden Künstlern und Designern ihrer Zeit zusammen und gehörte zu den wichtigsten Zentren deutscher Glaskunst.
Besondere Bedeutung gewann die Zusammenarbeit mit bedeutenden Vertretern der Reformbewegung und des Jugendstils, darunter Hans Christiansen, dessen Entwürfe wesentlich zur modernen Ausrichtung der Produktion beitrugen. Die auf der Weltausstellung in St. Louis 1904 verliehene Silbermedaille bestätigte den internationalen Rang der Theresienthaler Glashütte und ihre herausragende Stellung innerhalb der europäischen Glasproduktion.
Arbeiten der Theresienthaler Kristallglasfabrik befinden sich heute in bedeutenden Glas- und Kunstgewerbesammlungen, darunter das Glasmuseum Frauenau, das Kunstgewerbemuseum Berlin sowie zahlreiche internationale Sammlungen historischer Glaskunst. Die Jugendstil-Trinkgläser der Jahre um 1900 zählen zu den qualitätvollsten Erzeugnissen deutscher Glasgestaltung und dokumentieren den Übergang vom Historismus zur modernen Formensprache des 20. Jahrhunderts.
Entwurf und Ausführung: Theresienthaler Kristallglasfabrik, Bayern, um 1903: Theresienthaler Kristallglasfabrik
Objekt: Römer, Weinglas, Weinpokal
Material: Kristallglas mit Goldstaffage
Dekor: Mäanderdekor in Gold
Höhe: 13,5 cm
Durchmesser: 9,1 cm
Zustand: Perfekter Originalzustand
Literatur: Udo Schröder, Trinkgläser vom Jugendstil zum Art Déco, Hamburg 1998, S. 239, Farbabbildung S. 60.
„Die Verwendung von Gold läßt ein Glas „reich“ erscheinen. Schon deshalb verzichtete in der Zeit des Jugendstils kaum eine Hütte oder Raffinerie bei der Veredelung von Trinkgläsern auf das Edelmetall. Das Gold diente im wesentlichen der Ränderung von Kupparand, Fußplatte und weiteren Formelementen Darüber hinaus wurde es als freien Gestaltungsmittel eingesetzt. (…) In einigen Fällen war die Goldmalerei primäres Gestaltungsmittel. Die Golddekore reichten von floralen Motiven über mäanderähnliche Dekore bis zu geometrisch-abstrakten Linienführungen. Auch einige der „Architekten“ standen der Verwendung von Gold nicht ablehnend gegenüber. Hans Christiansen entwarf für Theresienthal Tafelgläser mit stilisierten Goldrosen. Peter Behrens dekorierte die zylinderförmige Kuppa seiner Wertheim-Gläser mit einem breiten, umlaufenden Goldband (…).“ (ebd., S. 137 f.)
Literatur:
Schröder, Udo: Trinkgläser vom Jugendstil zum Art Deco. Hamburg 1998.
Warthorst, Karl-Wilhelm: Die Glasfabrik Theresienthal. Dr. Neuner Verlag, Freiburg 1996.
Schack von Wittenau, Cl.: Glas zwischen Kunsthandwerk und Industriedesign. Studien über Herstellungsarten und Formtypen des deutschen Jugendstilglases, Köln 1971.
Spiegl, W.: Glas des Historismus, Kunst- und Gebrauchsgläser des 19. Jahrhunderts, Braunschweig 1980.
Zelasko, S.: Josephinenhütte, Passau 2009.
Ricke, H.: Gläser der Raffinerie und Glasfabrik Fritz Heckert, Petersdorf. In: Georg Höltl (Hrsg.): Das Böhmische Glas 1700 – 1950. Band III, Passauer Glasmuseum, Tittling 1995.
Zelasko, S.: Fritz Heckert – Kunstglas Industrie 1866 – 1923. Glasmuseum Passau 2012.
Schäfke, Werner: Ehrenfelder Glas des Historismus – Die Preis-Courants der Rheinischen Glashütten-Actien-Gesellschaft in Ehrenfeld bei Cöln. Abtheilung für Kunsterzeugnisse. 1881 und 1886, Nachträge 1888 und 1893, Walther König, Köln 1979.
Eckert, Christian: Rheinische Glashütten-Aktiengesellschaft Köln Ehrenfeld 1872-1922. Gedenkblätter zum fünfzigsten Jubiläum der Aktiengesellschaft. Köln 1922.
Jugendstil Roemer Theresienthal,
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Jugendstil ROEMER – Glas, Dorica, Theresienthal, Mäander-Dekor in Gold.
Jugendstil Römer mit Mäanderdekor in Gold, Theresienthaler Kristallglasfabrik um 1903
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