Jugendstil Keramik Deckenlampe Deutschland ca. 1910
Jugendstil Keramik Deckenlampe, Deutschland um 1910
Seltene elektrifizierte Jugendstil-Deckenlampe aus Deutschland, entstanden um 1910. Die elegante Ausführung in weiß glasierter Keramik mit feiner Goldhöhung verbindet dekorative Raffinesse mit der funktionalen Formensprache des späten Jugendstils und dokumentiert die Entwicklung moderner Innenraumgestaltung in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg. Aufgrund ihrer qualitätvollen Ausführung, der originalen Gestaltung für drei Lichtquellen und ihres sehr guten Erhaltungszustandes zählt diese Deckenlampe zu den bemerkenswerten Beleuchtungsobjekten des deutschen Jugendstils.
Die Leuchte überzeugt durch ihre ausgewogene Form und die harmonische Verbindung von Keramik, Licht und dekorativer Vergoldung. Die flach ausgebildete Schalenform erzeugt eine ruhige architektonische Wirkung und entspricht jener zunehmend reduzierten Gestaltung, die für die späte Jugendstilperiode charakteristisch wurde. Die feinen Goldakzente beleben die helle Oberfläche, ohne die Klarheit des Entwurfs zu beeinträchtigen. Durch die Elektrifizierung für drei Glühbirnen entsteht eine gleichmäßige Lichtverteilung, die den ursprünglich repräsentativen Charakter der Leuchte zusätzlich unterstreicht.
Um 1910 befand sich die Gestaltung von Beleuchtungskörpern in einer Phase grundlegender Erneuerung. Die fortschreitende Elektrifizierung ermöglichte neue Formen der Innenraumbeleuchtung und führte zu einer engen Verbindung von Technik, Architektur und Kunstgewerbe. Während frühe Jugendstil-Leuchten häufig von floralen Ornamenten geprägt waren, entwickelte sich die Formensprache zunehmend in Richtung klarer geometrischer Strukturen und reduzierter Dekoration. Diese Entwicklung steht am Übergang vom Jugendstil zur frühen Moderne.
Keramische Deckenleuchten gehörten zu den hochwertigen Ausstattungsobjekten bürgerlicher Interieurs der Zeit. Die Kombination aus glasierter Keramik und feiner Vergoldung entsprach dem Wunsch nach dauerhaften, elegant gestalteten Einrichtungsgegenständen, die sowohl funktionalen als auch ästhetischen Ansprüchen genügten. Besonders im Umfeld der deutschen Reformbewegung gewann die Gestaltung von Beleuchtungskörpern als Bestandteil eines ganzheitlich konzipierten Wohnraumes zunehmend an Bedeutung.
Die deutsche Kunstgewerbebewegung um 1900 verfolgte das Ziel, Architektur, Möbel, Keramik, Metallarbeiten und Beleuchtung zu einer gestalterischen Einheit zu verbinden. Künstler und Werkstätten entwickelten neue Formen für moderne Wohnräume und schufen Objekte, die sich bewusst von den historistischen Stilformen des 19. Jahrhunderts absetzten. Gerade Beleuchtungskörper nehmen innerhalb dieser Entwicklung eine besondere Stellung ein, da sie die Verbindung von technischer Innovation und künstlerischer Gestaltung exemplarisch sichtbar machen.
Jugendstil-Leuchten dieser Epoche befinden sich heute in bedeutenden Sammlungen zur europäischen Wohnkultur und Designgeschichte, darunter das Bröhan-Museum Berlin, das Museum Angewandte Kunst Frankfurt, das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg sowie zahlreiche Sammlungen zur Reformkunst und frühen Moderne. Original erhaltene Keramikleuchten zählen zu den charakteristischen Ausstattungsobjekten des deutschen Jugendstils und besitzen heute eine besondere Seltenheit.
Entwurf und Ausführung: Deutschland, um 1910
Material: Keramik, weiß glasiert, gold gehöht
Technik: Elektrifiziert für drei Glühbirnen
Durchmesser: 24 cm
Höhe: 7 cm
Zustand: Sehr guter Originalzustand.
Weiterführende
Literatur: Treskow, Irene von: Die Jugendstil-Porzellane der KPM. Bestandskatalog der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin 1896-1914, München 1971 (Materialien zur Kunst des 19. Jahrhunderts, 5),
Literatur: Berliner Porzellan vom Jugendstil zum Funktionalismus 1889 -1939, hrsg. v. Bröhan-Museum, Ausstellung, Berlin, Bröhan-Museum, 1987, Berlin 1987,
Literatur: Jarchow, Margarete: Berliner Porzellan im 20. Jahrhundert. Hamburg 1988
Literatur: Porzellan. Kunst und Design 1889 bis 1939. Vom Jugendstil zum Funktionalismus, bearb. v. Karl H. Bröhan, Berlin 1993 (Bestandskatalog des Bröhan-Museums, Bd. 5, 1),
Literatur: Um 1909, Porzellan aus Berlin, Meissen, Nymphenburg, – Ausstellungskatalog – Eine Ausstellung zum 90jährigen Bestehen des Hetjens-Museums, Düsseldorf 1999
Literatur: Jacobsen, Hans-Peter: Marguerite Friedlaender-Wildenhain, Den eigenen Vorstellungen Gestalt geben, Gera 2009.
Literatur: Lust auf Dekor – KPM-Porzellan zwischen Jugendstil und Art Deco. Die Ära Theo Schmuz-Baudiß, hrsg. v. Tobias Hoffmann / Claudia Kanowski, Ausstellung, Berlin, Bröhan-Museum, 2013 / 2014, Köln 2013 (Veröffentlichungen des Bröhan-Museums, 1987- , 19).
Jugendstil Keramik Deckenlampe Deutschland ca. 1910
Seltene elektrifizierte Jugendstil-Deckenlampe aus Deutschland, entstanden um 1910.
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