Jugendstil Mahagoni Stuhl wohl Darmstadt um 1900,
mit Polsterung und geometrischen Motiven verziert
Jugendstil Mahagoni Stuhl, wohl Darmstädter Künstlerkolonie, um 1900
Seltener Jugendstil-Stuhl aus Mahagoni mit charakteristischen geometrischen Ornamenten und originaler Polsterung, entstanden vermutlich im Umfeld der Darmstädter Künstlerkolonie um 1900. Die klare architektonische Formensprache und die reduzierte dekorative Gestaltung verweisen auf jene Reformbestrebungen, die von der Mathildenhöhe Darmstadt ausgehend die Entwicklung des modernen Möbeldesigns in Deutschland nachhaltig beeinflussten. Aufgrund seiner qualitätvollen Ausführung, der kunsthistorisch bedeutenden Einordnung und seines sehr guten Erhaltungszustandes zählt dieses Möbel zu den bemerkenswerten Beispielen des frühen deutschen Jugendstils.
Der Entwurf verbindet handwerkliche Präzision mit einer konsequent geometrischen Gestaltung. Die vertikalen Linien, die ausgewogenen Proportionen und die zurückhaltende Ornamentik zeigen bereits jene Abkehr vom Historismus, die um 1900 zu einem zentralen Anliegen der Reformkunst wurde. Besonders die dekorativen geometrischen Elemente verleihen dem Stuhl eine architektonische Wirkung und stehen in engem Zusammenhang mit den Gestaltungsprinzipien der Darmstädter Künstlerkolonie. Das hochwertige Mahagoniholz unterstreicht den repräsentativen Charakter des Möbels und verleiht ihm zugleich eine zeitlose Eleganz.
Die 1899 von Großherzog Ernst Ludwig von Hessen gegründete Künstlerkolonie Darmstadt entwickelte sich zu einem der wichtigsten Zentren des deutschen Jugendstils. Ziel war die Schaffung eines modernen Gesamtkunstwerks, in dem Architektur, Innenraumgestaltung, Möbelkunst und Kunstgewerbe eine harmonische Einheit bilden sollten. Die Ausstellung „Ein Dokument deutscher Kunst“ von 1901 gilt heute als Meilenstein der europäischen Designgeschichte und markiert den Beginn einer neuen Auffassung von Wohnen und Gestalten im 20. Jahrhundert.
Die Formensprache des vorliegenden Stuhls weist deutliche Parallelen zu Entwürfen von Peter Behrens auf, der zu den prägenden Persönlichkeiten der Darmstädter Künstlerkolonie gehörte. Behrens entwickelte in diesen Jahren eine zunehmend geometrische Gestaltung, die später zu einem wesentlichen Fundament der modernen Architektur- und Designgeschichte wurde. Seine Möbelentwürfe zeichnen sich durch konstruktive Klarheit, reduzierte Ornamentik und eine außergewöhnliche Balance zwischen Funktion und ästhetischem Ausdruck aus. Eine gesicherte Zuschreibung ist derzeit nicht möglich, die stilistische Nähe zu den Arbeiten Behrens‘ und zum Umfeld der Mathildenhöhe ist jedoch unverkennbar.
Die Darmstädter Künstlerkolonie vereinte einige der bedeutendsten Gestalter ihrer Zeit, darunter Joseph Maria Olbrich, Peter Behrens, Hans Christiansen und Patriz Huber. Ihre Arbeiten beeinflussten die Entwicklung des Jugendstils weit über Deutschland hinaus und stehen am Beginn jener Gestaltungstradition, die später über den Deutschen Werkbund bis zum Bauhaus führte. Möbel aus diesem Umfeld besitzen heute eine besondere kunsthistorische Bedeutung, da sie den Übergang vom dekorativen Jugendstil zur modernen Gestaltung exemplarisch dokumentieren.
Werke der Darmstädter Künstlerkolonie befinden sich heute in bedeutenden Museums- und Designsammlungen, darunter das Institut Mathildenhöhe Darmstadt, das Museum Künstlerkolonie Darmstadt, das Museum Angewandte Kunst Frankfurt, das Bröhan-Museum Berlin sowie zahlreiche internationale Sammlungen zur europäischen Moderne. Möbel aus der frühen Phase der Künstlerkolonie zählen zu den seltenen und besonders geschätzten Zeugnissen deutscher Reformkunst um 1900.
Entwurf: wohl im Umfeld von Peter Behrens und der Darmstädter Künstlerkolonie, um 1900
Ausführung: Deutschland, um 1900
Material: Mahagoni, gepolstert
Dekor: Geometrische Jugendstil-Ornamente
Höhe: 97,6 cm
Breite: 41,6 cm
Tiefe: 43,2 cm
Zustand: Sehr guter Originalzustand mit leichten altersbedingten Gebrauchsspuren
Literatur: Museum Künstlerkolonie Darmstadt. Katalog, Institut Mathildenhöhe Darmstadt, Darmstadt 1990; Künstler-Kolonie Darmstadt – Ein Dokument deutscher Kunst, Ausstellungskatalog 1901.
Peter Behrens [Hamburg 1868 – 1940 Berlin] dt. Maler u. Grafiker, Architekt, Entwerfer für Möbel, Kunsthandwerk, Schrift. Studium der Malerei in Karlsruhe und Düsseldorf. 1892 Mitbegründer der Münchner Sezession, 1897 Mitbegründer der Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk gemeinsam mit Richard Riemerschmid, Bruno Paul u. anderen. 1903-07 Leiter der Kunstgewerbeschule Düsseldorf, seit 1907 Künstlerischer Beirat der AEG Berlin. Bis hierhin entwarf er zahlreiche Kunstgewerbe Stücke, Bestecke, Möbel, Industrie- sowie Repräsentationsgebäude. Im Jahre 1909 erhielten Fritz Schumacher, Peter Behrens, Fritz Erler und Georg Wrba den Auftrag, die vom Architekten Ludwig Bopp aus Köln erbaute Villa für den Industriebesitzer Max Meirowsky in Köln-Lindenthal auszustatten. 1914 Teilnahme an der Ausstellung: „Die Deutsche Werkbund-Ausstellung Cöln 1914“, u.a. mit Möbeln.
1922 wird er nach Wien berufen als Professor der Meisterschule für Architektur an der Akademie der Bildenden Künste, es folgen 1929/35 städtbauliche Entwürfe für Berliner Großbauten, bevor er 1936 ein Meisteratelier der Baukunst an der Akademie der Künste in Berlin übernimmt. Behrens Entwürfe sind in zahlreichen Museen vertreten, u.a. im MAKK Köln, in der Sammlung Mathildenhöhe, im Metropolina Museum of Modern Art New York etc.
Fritz Erler, Sammlung Lehnbachhaus, München
Villa Meirowski, Köln. – ANNO Historische Zeitungen und Zeitschriften: Josef Maria Olbrich
Zeitgenössische Literatur, Innendekoration XIV. Jahrgang Darmstadt 1903, „Vereinte Kunstgewerbler Darmstadt“ Die beteiligten Künstler sind sämtlich frühere Schüler von Prof. Behrens…
Jugendstil Mahagoni Stuhl wohl Darmstadt um 1900,
mit Polsterung und geometrischen Motiven verziert
Entwurf: ? Peter Behrens, wohl für die Darmstädter Künstlerkolonie um 1900.
Jugendstil Mahagoni Stuhl, wohl Darmstädter Künstlerkolonie, um 1900
Schlagwörter: Inneneinrichtung, Möbel, Sitzmöbel, Stuhl, Josef Hoffmann, Umstätter, Koloman Moser, Wiener Werkstätte, Josef Maria Olbrich, Franz Hofstoetter Leotz Vase, Josef Urban, Paris Weltausstelung 1900, Peter Behrens, Julius Rückert Mainz, August Endell, Patriz Huber, Bernhard Pankok, Bruno Paul, Richard Riemerschmid, Heinrich Vogeler, Henry van de Velde, Gustave Serruier-Bovy, Hector Guimard, JacquesGruber, Louis Majorelle, Emile Galle, Ecole de Nancy, Selmersheim, Diot, leon Benouville, Georges de Feure, Eugene Gaillard,
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