Jugendstil Porzellan Dessertteller Vereinte Kunstgewerbler Darmstadt
Jugendstil Dessertteller mit Dekor in Gold
aus dem Service Botticelli, Secession
Jugendstil Porzellan Dessertteller „Botticelli“ – Vereinte Kunstgewerbler Darmstadt, Rosenthal um 1902–1904
Seltener Jugendstil-Dessertteller aus dem berühmten Service „Botticelli“, entworfen von Hans Reinstein für die Vereinten Kunstgewerbler Darmstadt und ausgeführt von der Rosenthal AG um 1902–1904. Das Modell gehört zu den bedeutenden Leistungen der deutschen Reformbewegung und veranschaulicht den Wandel von historisierenden Dekorformen hin zu einer modernen, klar gegliederten Gestaltung. Aufgrund seiner kunsthistorischen Bedeutung, der vollständigen Markenfolge und seines sehr guten Erhaltungszustandes zählt dieser Teller zu den gesuchten Objekten deutscher Jugendstil- und Sezessionskunst.
Die Gestaltung verbindet eine ausgewogene Form mit einem fein abgestimmten Golddekor, das die elegante Silhouette des Tellers subtil betont. Charakteristisch für die Entwürfe der Vereinten Kunstgewerbler Darmstadt ist die bewusste Reduktion dekorativer Elemente zugunsten einer harmonischen Gesamtwirkung. Ornament und Form stehen nicht mehr in Konkurrenz zueinander, sondern bilden eine gestalterische Einheit. Diese Auffassung gehört zu den zentralen Ideen der Reformkunst um 1900 und weist bereits auf die frühe Moderne voraus.
Das Service „Botticelli“ entstand in einer Zeit tiefgreifender gestalterischer Erneuerung. Künstler, Architekten und Kunstgewerbler suchten nach einer zeitgemäßen Formensprache, die sich bewusst vom Historismus des 19. Jahrhunderts lösen sollte. Die Vereinten Kunstgewerbler Darmstadt gehörten zu den wichtigsten Trägern dieser Entwicklung und verfolgten das Ziel, hochwertige Gebrauchsgegenstände zu schaffen, die künstlerischen Anspruch und industrielle Fertigung miteinander verbinden. Die Zusammenarbeit mit Rosenthal ermöglichte die Umsetzung dieser Ideen auf höchstem technischem Niveau.
Hans Reinstein zählt zu den bemerkenswerten Gestaltern der deutschen Reformbewegung. Seine Entwürfe zeichnen sich durch klare Proportionen, dekorative Zurückhaltung und eine sorgfältig ausbalancierte Formensprache aus. Im Botticelli-Service zeigt sich besonders deutlich die Suche nach einer modernen Ästhetik, die Funktion, Material und Gestaltung zu einer harmonischen Einheit verbindet. Die Serie gehört zu den wichtigen Beiträgen der deutschen Sezessionsbewegung im Bereich der Porzellankunst.
Die Rosenthal AG entwickelte sich um die Jahrhundertwende zu einem der innovativsten Porzellanhersteller Europas. Durch die Zusammenarbeit mit Künstlern und Architekten der Reformbewegung entstanden Entwürfe, die die Entwicklung der deutschen Porzellangestaltung nachhaltig beeinflussten. Die Modelle der Vereinten Kunstgewerbler Darmstadt nehmen innerhalb dieser Entwicklung eine besondere Stellung ein und gelten heute als bedeutende Zeugnisse des deutschen Jugendstils.
Arbeiten der Vereinten Kunstgewerbler Darmstadt und der Rosenthal AG befinden sich heute in bedeutenden Museums- und Designsammlungen, darunter das Bröhan-Museum Berlin, das Institut Mathildenhöhe Darmstadt, das Museum Angewandte Kunst Frankfurt sowie zahlreiche internationale Sammlungen für Jugendstil, Reformkunst und frühes Design. Die Botticelli-Serie gilt als herausragendes Beispiel für die Verbindung von Kunst, Handwerk und industrieller Fertigung zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Entwurf: Hans Reinstein (Form), um 1902
Ausführung: Rosenthal AG für die Vereinten Kunstgewerbler Darmstadt, ca. 1902–1904
Modell: Botticelli, Secession
Material: Porzellan mit Golddekor
Marken: Rosenthal, Botticelli, Vereinte Kunstgewerbler Darmstadt, 914 und 1310
Durchmesser: 21,3 cm
Zustand: Sehr guter Originalzustand
Literatur: Bröhan Museum Berlin, Porzellan, Kunst und Design 1889–1939. Vom Jugendstil zum Funktionalismus, Bestandskatalog Band V, 2, Berlin 1996. Das Service „Botticelli“ ist dort als bedeutendes Beispiel deutscher Reformkunst und früher moderner Porzellangestaltung dokumentiert.
Die Künstlergruppe Vereinte Kunstgewerbler Darmstadt wurde 1902 von Schülern Professor Peter Behrens gegründet, Gründungsmitglieder waren der Architekt Alfred Koch, der Maler Hans Günther Reinstein und der Bildhauer C. F. Meier. Es entstanden Entwürfe für alle Gebiete der Angewandten Kunst. (Literatur: Innendekoration: Mein Heim, mein Stolz; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort, Band 14, 1903)
Literatur: Porzellan, Kunst und Design 1889-1939, Bröhan-Museum, Berlin 1993, Bd. 2
Literatur: Jugendstil in Dresden, Aufbruch in die Moderne, Ausstellungskatalog Staatliche Kunstsammlungen Dresden 1999
Literatur: Insitut Mathildenhöhe Darmstadt (Hrsg.): Museum Künstlerkolonie Darmstadt. Katalog. Darmstadt 1990
Literatur: Zeitschrift Deutsche Kunst und Dekoration, 1903, S. 305
Weiterführende Literatur: Erlesenes aus Jugendstil und Art Déco, Die Sammlung Giorgio Silzer, Ausstellungskatalog Grassi Museum, Museum für Kunsthandwerk 1997
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