Zur aktuellen Lage am Silbermarkt „Ich bin seit über 30 Jahren in diesem Geschäft tätig und habe einen derart schnellen Anstieg des Silberpreises bislang nicht erlebt. Die Auswirkungen zeigen sich bereits deutlich am Markt: Verfügbarkeit und Nachbeschaffung werden spürbar schwieriger, insbesondere bei zusammenpassenden Teilen und gutem Erhaltungszustand.

Für Sammler und Nutzer hochwertiger Tafelkultur bedeutet das: Wer noch ergänzen oder Lücken schließen möchte, sollte dies zeitnah prüfen, da spätere Nachkäufe erfahrungsgemäß mit höherem Aufwand und deutlich steigenden Preisen verbunden sind. Gleichzeitig gewinnt in diesem Zusammenhang der alte dänische Begriff „Erbsilber“ neue Aktualität - als Ausdruck für langlebige, werthaltige Bestände, die nicht nur genutzt, sondern über Generationen weitergegeben werden.“

Spätbarocker Silberbecher Bayern um 1770-1780

Süddeutscher Becher Silber 12 Loth, wohl Bayern um 1780, möglicherweise Raum Markt Indersdorf, Meisterzeichen CEK in Herzform.

Preis auf Anfrage
Art.Nr. 0736
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Spätbarocker Silberbecher Bayern um 1770-1780
12 Lötiger Silberbecher mit Feuervergoldung und addorsierter Löwenmarke, Stadtmarke
Süddeutscher Becher Silber 12 Loth, wohl Bayern um 1780, möglicherweise Raum Markt Indersdorf, Meisterzeichen CEK in Herzform.

Beschreibung
Spätbarocker Silberbecher in glatter, nach oben leicht ausschwingender Form. Der Fußrand ist durch eine umlaufende Zone erhabener rechteckiger Elemente akzentuiert, die formal an Zahn oder Wagenrad erinnern und eine ungewöhnliche dekorative Lösung darstellen. Die Wandung bleibt bewusst schlicht und betont die klare Formgebung. Innen vollständig feuervergoldet. Der Becher zeigt eine für provinziell einzuordnende Arbeiten bemerkenswerte materielle Schwere und liegt ausgewogen in der Hand.

Ausführung und Punzen
Meisterzeichen CEK
Stadtmarke zwei einander rücklings zugewandte schreitende Löwen im Rundschild sogenannte addorsierte Löwen
Österreichische Repunze 12 A im Rechteck von 1806
Tremulierstrich vorhanden
Zuschreibung: Bayern, möglicherweise Raum Markt Indersdorf [nicht aufgelöst, gesichert]

Maße und Gewicht
Höhe 7,8 cm
Durchmesser oben 7,8 cm
Durchmesser unten 5,5 cm

Zustand
Sehr gut erhalten mit altersüblichen Gebrauchsspuren. Innenvergoldung erhalten. Punzen klar lesbar. Substanzvoll und sammlerisch überzeugend.

Historischer Kontext
Die seltene Stadtmarke mit zwei addorsierten Löwen ist im süddeutschen Raum bislang nur vereinzelt nachweisbar. Vergleichbare heraldische Motive finden sich unter anderem in Lauterhofen und insbesondere in Markt Indersdorf. Für Markt Indersdorf ist mit dem Goldschmied Matthias Kraus um 1771 eine lokale Werkstatt historisch belegt.

Die Übereinstimmung von heraldischem Motiv, zeitlicher Einordnung und regional überliefertem Goldschmiedehandwerk stellt ein gewichtiges Indiz für eine Zuschreibung in diesen Raum dar, auch wenn ein direkter Nachweis für das vorliegende Meisterzeichen CEK bislang fehlt. Der Befund ist daher als plausible, jedoch nicht gesicherte Lokalisierung zu werten.

Die Erwähnung von Goldschmieden im kirchlichen Kontext legt nahe, dass entsprechende Werkstätten auch im Umfeld kirchlicher Auftraggeber tätig waren. In diesem Zusammenhang könnte es sich bei dem vorliegenden Becher um eine Stiftung oder ein Objekt aus kirchlichem Gebrauch handeln, ohne dass dies konkret belegbar ist.

Die österreichische Repunze von 1806 dokumentiert eine spätere amtliche Kontrolle im habsburgischen Einflussgebiet und bestätigt die fortdauernde Nutzung des Objekts.

Vergleich und Marktstellung
Spätbarocke Silberbecher aus dem süddeutschen Raum zeigen häufig eine zurückhaltende Wandung bei gleichzeitiger Betonung einzelner Zonen. Die hier konsequent auf den Fußrand konzentrierte Ornamentik ist vergleichsweise selten.

Die Kombination aus ungewöhnlicher, regional eingrenzbarer Stadtmarke, einem bislang nicht eindeutig zuordenbaren Meisterzeichen und einer für provinziellen Kontext überdurchschnittlichen materiellen Qualität verleiht dem Stück eine eigenständige Stellung. Besonders die mögliche Verbindung zum Raum Markt Indersdorf erhöht die kunsthistorische Relevanz, da entsprechende Arbeiten nur selten gesichert überliefert sind.

Literatur
Literatur: Stadtarchiv Leipzig Adressbuch Leipzig 1720
Literatur: Stadtarchiv Leipzig Conspectus oder kurtze und deutliche Anzeige Leipzig 1747
Literatur: Rosenberg Marc Der Goldschmiede Merkzeichen Frankfurt am Main 1923
Literatur: Schröder Albert Leipziger Goldschmiede aus fünf Jahrhunderten Leipzig 1935
Literatur: Reitzner Viktor von Alt Wien Lexikon für österreichische und süddeutsche Kunst und Kunstgewerbe Wien 1952
Literatur: Scheffler Wolfgang Goldschmiede Mittel und Nordostdeutschlands Berlin und New York 1980
Literatur: Tardy International Hallmarks on Silver Paris 1985
Literatur: Seling Helmut Die Augsburger Gold und Silberschmiede 1529 bis 1868 München 2007