Zur aktuellen Lage am Silbermarkt „Ich bin seit über 30 Jahren in diesem Geschäft tätig und habe einen derart schnellen Anstieg des Silberpreises bislang nicht erlebt. Die Auswirkungen zeigen sich bereits deutlich am Markt: Verfügbarkeit und Nachbeschaffung werden spürbar schwieriger, insbesondere bei zusammenpassenden Teilen und gutem Erhaltungszustand.

Für Sammler und Nutzer hochwertiger Tafelkultur bedeutet das: Wer noch ergänzen oder Lücken schließen möchte, sollte dies zeitnah prüfen, da spätere Nachkäufe erfahrungsgemäß mit höherem Aufwand und deutlich steigenden Preisen verbunden sind. Gleichzeitig gewinnt in diesem Zusammenhang der alte dänische Begriff „Erbsilber“ neue Aktualität - als Ausdruck für langlebige, werthaltige Bestände, die nicht nur genutzt, sondern über Generationen weitergegeben werden.“

Orivit XL Spiegel 93 Sterling Silber Köln ca.1900

Großer Jugendstil Silberspiegel 93 mit Amethyst und Perlmutt 925 er Silber, Orivit AG Köln 1900. Seltene Luxusausführung einer Toilettengarnitur mit Edelsteinbesatz und internationalem Designanspruch

Preis auf Anfrage
Art.Nr. 0734
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Orivit XL Spiegel 93 Sterling Silber Köln ca.1900

Orivit Sterling Toilettenspiegel Modell 93 Köln um 1900- 1904
Großer Jugendstil Silberspiegel 93 mit Amethyst und Perlmutt 925 er Silber, Orivit AG Köln 1900
Seltene Luxusausführung einer Toilettengarnitur mit Edelsteinbesatz und internationalem Designanspruch

Beschreibung
Außergewöhnlicher großformatiger Toilettenspiegel aus 925er Silber aus der Produktion der Orivit AG Köln um 1900 bis 1904. Der Spiegel besitzt einen Massivholzrücken vermutlich gebeizte Eiche in rötlich braunem Ton und eine aufwendig gestaltete silberne Front.

Die Stirnseite ist mit einem zentralen Amethyst Cabochon sowie zwei symmetrisch angeordneten Perlmutt Cabochons besetzt, gefasst in weich gerundete rechteckige Kartuschen. Die Kombination aus Silber, Amethyst und Perlmutt erzeugt eine besonders elegante und luxuriöse Gesamtwirkung und hebt das Objekt deutlich von der regulären Produktion ab.

Der rückseitige Aufstellbügel ist an einer 925er silbernen Plakette in charakteristischer, an ein kyrillisches D erinnernder Form befestigt und wird durch eine feine Silberkette stabilisiert. Die handwerkliche Ausführung zeigt eine hohe Präzision und Materialqualität.

Das vorliegende Stück ist Teil einer Toilettengarnitur, die nur äußerst selten geschlossen oder auch in Einzelteilen auf dem Markt erscheint. Vergleichbare Stücke sind im Kunsthandel nur in Ausnahmefällen nachweisbar.

Ausführung und Punzen
Hersteller Orivit AG Köln
Material Silber 925
Feingehaltsstempel Halbmond und Krone 925
Markierung entweder ORIVIT Sterling Silver  [hier ersteres] oder ab mitte 1904 OAG Sterling Silver,
Modellnummer 93
Datierung um 1900 bis 1904

Maße und Gewicht
Großformatige Ausführung
Maße: Breite oben 28,5 cm, Breite unten 45,5 cm, Höhe 48,5 cm

Zustand
Sehr gut erhalten mit altersüblichen Gebrauchsspuren. Edelsteinbesatz vollständig erhalten. Substanzvoller und sammlerisch herausragender Zustand.

Historischer Kontext
Die Orivit AG in Köln war um 1900 ein bedeutender Hersteller von kunstgewerblichen Metallarbeiten im Jugendstil mit internationaler Ausrichtung und eigenen Vertriebsstrukturen in mehreren europäischen Metropolen, darunter Köln, Wien und Paris.

Die Silberproduktion des Unternehmens ist nur für einen vergleichsweise kurzen Zeitraum nachweisbar und endet bereits um 1905 im Zuge der Übernahme durch die WMF. Der genaue Beginn dieser Produktion liegt bislang im Dunkeln. Es ist jedoch denkbar, dass Silberobjekte gezielt auf Kundenwunsch gefertigt und in den firmeneigenen Verkaufsstellen angeboten wurden, parallel zur regulären Produktion in anderen Metallen.

Die Unterscheidung der Punzen zwischen ORIVIT Sterling Silver und der späteren Form OAG Sterling Silver liefert dabei einen wichtigen Hinweis auf eine zeitliche Differenzierung innerhalb dieser kurzen Produktionsphase.

Die Verbindung von Silber mit Amethyst und Perlmutt steht in engem Zusammenhang mit internationalen Jugendstilströmungen, insbesondere der englischen Arts and Crafts Bewegung. Parallelen lassen sich zu Entwürfen von Archibald Knox für Liberty sowie zu Arbeiten von Charles Robert Ashbee ziehen.

Vergleich und Marktstellung
Innerhalb der Orivit Produktion nehmen Silberobjekte mit Amethystbesatz eine herausragende Sonderstellung ein. Nach aktuellem Kenntnisstand lassen sich maximal etwa sechs unterschiedliche Modelle nachweisen, die mit Amethyst Cabochons ausgeführt wurden. Neben dem vorliegenden Toilettenspiegel sind Jardinieren in drei verschidennen varianten, rechteckige Formen sowie die oppulente Lampe in Kandeleberform / Beleuchtungskörper dokumentiert.

Diese Gruppe stellt offenbar eine bewusst limitierte und besonders aufwendig gestaltete Serie dar, die sich deutlich von der übrigen Produktion abhebt. Die Kombination aus seltenem Materialeinsatz, hoher handwerklicher Qualität und eigenständigem Design verleiht diesen Objekten eine außergewöhnliche Stellung.

Der vorliegende Spiegel Modell 93 ist innerhalb dieser Gruppe als eines der repräsentativsten und aufwendigsten Stücke zu bewerten. Seine Zugehörigkeit zu einer Toilettengarnitur unterstreicht den ursprünglichen Luxuscharakter zusätzlich.

Aufgrund der extrem geringen überlieferten Stückzahl, der kurzen Produktionszeit sowie der kunsthistorischen Einbindung in den internationalen Jugendstil zählen solche Arbeiten zu den seltensten und gesuchtesten Objekten der Orivit Produktion.

Literatur
Literatur: Orivit Métal Katalog Exposition Universelle Paris Médaille d’Or Paris 1900
Literatur: Kwint Jan C G Urania Maastricht 1903 bis 1910 Culemborg 2002
Literatur: Orivit Aktiengesellschaft für kunstgewerbliche Metallwarenfabrikation Köln 1922
Literatur: Orivit Aktiengesellschaft für kunstgewerbliche Metallwarenfabrikation Köln Braunsfeld billige Massenartikel Köln 1926
Literatur: Blum Spicker Helene Orivit Zinn des Jugendstils aus Köln Kölnisches Stadtmuseum Köln 1992
Literatur: Sammlerjournal Orivit Zinn des Jugendstils aus Köln Nr 6 1992
Literatur: Spurensuche Friedrich Adler zwischen Jugendstil und Art Deco Stuttgart 1994
Literatur: Grassi Museum Erlesenes aus Jugendstil und Art Déco Sammlung Giorgio Silzer Leipzig 1997
Literatur: Sehnsucht nach Form Friedrich Adler Metzger Wersin Regensburg 2003
Literatur: Pese Claus Jugendstil aus Nürnberg Stuttgart 2007
Literatur: Kerssenbrock Krosigk Dedo von Metallkunst der Moderne Bröhan Museum Berlin 2008
Literatur: Koch Michael Meisterwerke des Jugendstils im Bayerischen Nationalmuseum München 2010

“Das Angebot der Firma Ferdinand Hubert Schmitz in Paris [Pariser Weltausstellung 1900] ist in der zeitgenössischen Berichterstattung am umfangreichsten dokumentiert. Der Messestand fiel auf und wurde allgemein gewürdigt und abgebildet. Dr. Max Osborn hebt die Gestaltung des Standes mit Möbeln der Kölner Firma Heinrich Pallenberg lobend hervor: “Die Austellung von Ferdinand Hubert Schmitz in Cöln zeichnet sich durch den Geschmack aus, mit dem die kostbaren Erzeugnisse dieser Firma aufgestapelt sind. Die Nische ist ein idealer kleiner Juwelierladen. Ihre Holzarchitektur läßt die Fabrikate, die Schalen und Schüsseln und Vasen, die schönen Arbeiten aus Gold und Email, ganz besonders bestechend hervortreten. Der Spiegel, dessen Holzumrahmung einzelne Glieder über die Glasscheibe entsendet, die sich dann in Tischhöhe zu einem Konsolbrett verdichten, die Wanddekoration mit dem prächtigen Zimmerbrunnen, der Tisch und der gut aufgebaute Silberschrank, das alles erscheint wie Theile eines Wohnraumes und bewirkt, dass die ausgestellten Gegenstände ganz anders zur Geltung kommen als in den, solche Gesichtspunkte meist ausser Acht lassenden, landläufigen Laden-Arrangements.””

(>>…Ein idelaer kleiner Juwelierladen<< Die Kölner Firma Orivit auf der Weltausstellung Paris 1900. von Helene Blum-Spicker. Sonderdruck aus dem Wallraf-Richartz-Jahrbuch, Band LXI, Köln 2000, S. 218-219.)

Helene Blum Spicker schreibt in Ihrem Aufsatz: Ein idealer kleiner Juwelierladen. Die Kölner Firma Orivit auf der Weltausstellung Paris 1900:
“Von der Modellnummer 2497 bis 2599 wird die weitere Zinnproduktion der Firma Orivit geprägt durch Vasen, Jardinieren, Übertöpfe, Bowlen, Weinkannen und Cakesdosen aus geschliffenem Kristallglas, geätztem oder geschnittenem Überfangglas, bemalten Fayencen oder Steingut und glasierten Keramiken und Emailgefäßen mit Metallfassungen. Ein Drittel dieser Gesamtproduktion wurde auf der Weltausstellung in Paris gezeigt. Die Spitzenstücke (Orivit 2564-2569) warben am Eingang und in der Mitte des Messestandes für die technisch-metallurgischen und gestalterischen Neuerungen, die Ferdinand Huber Schmitz in die Zinnproduktion eingeführt hatte: Die Oberflächenveredelung durch Vergolden und Versilbern und zusätzliche farbliche Gestaltung der Ornamente durch transparente und irisierende Lacke und die Betonung der Faßwaren, das heißt die Verbindung des veredelten Zinns mit Gefäßkörpern aus andere Materialien. Die Herkunft der Fayencen wird von Wagner ohne Beweisführung mit “Villeroy & Boch, Mettlach” angegeben. Lediglich das Fayenceservice (Orivit 2525 ff.) hat Zeichen, die auf Villeroy & Boch hinweisen. Nur für ein Emailgefäß (Orivit 2574, eine Vase) gibt es im Firmenkatalog von 1904 einen Hinweis auf einen Zulieferer: Echt Ungar. Email “Rapoport”. Weitere Lieferungen durch den Budapester Goldschmied Jakab Rapoport an die Firma Orivit werden durch ein Emailgefäß im Museum für Angewandte Kunst in Budapest wahrscheinlich, das in Größe und Form mit dem Übertopf (2576) in Emailausführung in deutschem Privatbesitz identisch ist.”3

Das Buch, ORIVIT, Zinn des Jugendstils aus Köln erschien 1992. Es Wurde lange Zeit behauptet die Orivit Ära endet mit den Produktionsnummer #2662. dh. 1904. Dies erscheint mir aber nicht Richtig. Die Orivit AG wurde 1905 von der WMF übernommen. Dies als Folge der immensen Investitionen in die Huber-Presse, dessen Produktion, dessen allein Vertrieb, aber auch wegen der Kosten der Weltausstellung St.Louis 1904 und der missglückten Präsentation der Huber-Presse eben dort mit dem damit verbundenen Negativschlagzeilen.
Im vorher genannten Buch sind Kataloge von P 1904 aber auch P 1906 berücksichtigt mit Nachträgen von 1906/01, 1906/01 und N 06.
Natürlich sind Originale Orivit Kataloge äußerst selten. Wie ein Kürzlich aufgetauchtes Original 541-4 von 1906 zeigt, existierten bereits 1906 – statt 1904 bis #2662. – , Nummern #2700 bis #2997 ; #3020 bis #3022 ; #5001 bis #5554 ; Die Nachträge von 1906 konnten hier nicht berücksichtigt werden.
Ein Katalog von 1905 konnte bislang nicht gefunden werden.
Es erscheint für wenig Wahrscheinlich, dass die WMF innerhalb kürzester Zeit (Bis Erscheinen des Katalogs 1906) die ORIVIT Produktpalette um 300 Modelle hätte erweitern können.
Daher ist es eher wahrscheinlich und richtig, dass ein großer Teil der Objekte noch unter ORIVIT Regie entstanden sind.
Die ORIVIT Massiv Silber Reihe wurde jedoch nach der Übernahme nicht weiter fortgeführt.

Orivit XL Spiegel 93 Sterling Silber Köln ca.1900

Orivit Toilettenspiegel Modell 93 Köln um 1900 1904
Großer Jugendstil Silberspiegel mit Amethyst und Perlmutt Orivit AG Köln
Seltene Luxusausführung einer Toilettengarnitur mit Edelsteinbesatz und internationalem Designanspruch

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