Paar Barock Silber Tafelleuchter, Bonn 1740–1760, Heinrich Üdesheim
Seltenes Paar Bonner Barock-Tafelleuchter aus 12-lötigem Silber (750/1000), gefertigt um 1740–1760 von dem kurkölnischen Goldschmied Heinrich Üdesheim.
Die Leuchter stehen auf rund fassonierten, aufgewölbten Füßen mit kräftig profilierten und geschwungenen Zügen. Darüber erheben sich mehrfach gegliederte Balusterschäfte mit vasenförmigen Kerzentüllen. Die ausgewogenen Proportionen und die bewegte Profilierung entsprechen der qualitätvollen rheinischen Silberkunst des mittleren 18. Jahrhunderts.
Besonders hervorzuheben sind die original erhaltenen Tropf-Tüllen. Solche abnehmbaren Einzelteile gingen bei historischen Tafelleuchtern häufig verloren oder wurden später ersetzt. Der geschlossene Originalzustand steigert daher den kunsthistorischen und sammlerischen Wert des Paares erheblich.
Goldschmied:
Die Meistermarke ist Heinrich Üdesheim zuzuordnen. Üdesheim war von 1717 bis 1728 kurkölnischer Wardein und ist zwischen 1736 und 1773 als Goldschmied in Bonn nachweisbar.
Als Wardein war er mit der Prüfung des Feingehalts und der Qualität von Edelmetallarbeiten betraut. Seine eigenen Silberarbeiten gehören heute zu den seltenen und qualitätvollen Zeugnissen der Bonner Goldschmiedekunst des 18. Jahrhunderts.
Daten:
Objekt: Paar Tafelleuchter / Tischleuchter / Kerzenleuchter
Herkunft: Bonn, Kurfürstentum Köln
Datierung: um 1740–1760
Goldschmied: Heinrich Üdesheim
Material: Silber 12 Lot, entsprechend 750/1000
Beschauzeichen: Bonner Stadtmarke, Mitte des 18. Jahrhunderts, mit Feingehaltsangabe 12 Lot
Meisterzeichen: Heinrich Üdesheim
Maße: Höhe 19 cm
Zustand: Sehr guter Originalzustand mit den original erhaltenen Tropf-Tüllen.
Kunsthistorische Einordnung:
Bonn war im 18. Jahrhundert Residenzstadt der Kurfürsten und Erzbischöfe von Köln. Der kurfürstliche Hof und die anspruchsvolle höfische Tafelkultur boten den ortsansässigen Goldschmieden wichtige Auftraggeber.
Bonner Silberarbeiten sind heute wesentlich seltener auf dem Kunstmarkt zu finden als vergleichbare Erzeugnisse aus Köln, Augsburg oder Hamburg. Das vorliegende Paar dokumentiert mit seinen aufgewölbten, geschwungen profilierten Füßen, den Balusterschäften und den vasenförmigen Tüllen die eigenständige rheinische Ausprägung des Barock um die Mitte des 18. Jahrhunderts.
Ein nahezu maßgleiches Leuchterpaar von Heinrich Üdesheim, ebenfalls um 1760 datiert, ist mit rund fassonierten, aufgewölbten Füßen, geschwungenen Zügen und vasenförmigen Tüllen dokumentiert. Dieser Vergleich bestätigt sowohl die stilistische Einordnung als auch die charakteristische Formensprache des Meisters.
Silberfeingehalt:
Bis zur Einführung des metrischen Feingehaltssystems wurde der Silbergehalt in Deutschland in Lot angegeben. 12 Lot entsprechen einem Feingehalt von 750/1000 Silber.
Die Stadt- oder Beschauzeichen dienten nicht nur als Herkunftsmarken, sondern bestätigten zugleich die amtliche Prüfung des vorgeschriebenen Feingehalts. Bei dem vorliegenden Leuchterpaar verbindet die Bonner Stadtmarke somit die Herkunft aus der kurkölnischen Residenzstadt mit der Garantie des 12-lötigen Silbers.
Seltenes Paar Bonner Barock-Silberleuchter von Heinrich Üdesheim, gefertigt um 1740–1760 aus 12-lötigem Silber beziehungsweise Silber 750. Die originalen Tafelleuchter aus Bonn tragen die Bonner Stadtmarke und besitzen ihre selten erhaltenen Tropf-Tüllen. Bonner Silber, kurkölnische Goldschmiedekunst, rheinisches Barocksilber und originale Silberleuchter des 18. Jahrhunderts gehören zu den gesuchten Sammelgebieten des deutschen und europäischen Kunsthandels.
Hinweis: Eine Besichtigung ist nach Terminvereinbarung jederzeit in unserem Geschäft möglich. Darüber hinaus verfügen wir über einen umfangreichen weiteren Bestand an historischem Silber, von dem sich ein Teil auch auf unserer Internetseite befindet.
Darüber hinaus verfüge ich über einen umfangreichen Bestand an hochwertigem Silber, Goldschmiedearbeiten, Keramik und Kunstgewerbe vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Hierzu zählen Arbeiten bedeutender englischer, französischer, deutscher und skandinavischer Goldschmiede ebenso wie Objekte von Tiffany & Co., Gorham, Liberty & Co., Orivit, WMF, Georg Jensen und Zsolnay. Ein Teil dieser Stücke wird bereits auf meiner Homepage präsentiert; zahlreiche weitere Objekte befinden sich in meinem Lagerbestand und können nach Vereinbarung besichtigt werden.
Literatur: Scheffler, Wolfgang: Goldschmiede Rheinland-Westfalens, De Gruyter 1973. Erster Halbband Aachen – Köln, Seite 91.
Literatur: Clasen, Carl-Wilhelm: Rheinische Silbermarken. Die Marken und Werke der Rheinischen Goldschmiede. CMZ Verlag Rheinbach-Merzbach 1986. Nr. 374.
Literatur: Fritz, Johann Michael, Goldschmiedearbeiten des 14.-18. Jahrhunderts im Rheinischen Landesmuseum, Bd. 164.1964: Bonner Jahrbücher
Literatur: Irmscher, Günter: Das Kölner Goldschmiedehandwerk 1550-1800. Eine Sozial- und Werkgeschichte. Regensburg 2005.
Literatur: Bemmann, Hildegund: Rheinisches Tafelsilber. Silbernes Prunk- und Tafelgerät des nördlichen Rheinlandes von 1550-1800. Rheinbach-Merzbach 1992.
Literatur: Meta Patas: 400 Jahre Gold – und Silberschmiedekunst in Düsseldorf Ausstellung vom 8.11 bis 2.12 1977 SW: Goldschmiedekunst Silberschmiedekunst Düsseldorf.
Literatur: Ausstellungskatalog Stadtmuseum Münster (1992): Gold und Silber aus Münster.
Literatur: Hans Wiswe: Die Branntweinkaltschale. Studien um ein Speisebrauchtum. In: Beiträge zur Deutschen Volks- und Altertumskunde. Nr. 8, 1964. Hamburger Museumsverein, Hamburg, ISSN 0408-8220, S. 61–86.
Literatur: Kunstschätze aus dem St.-Martini-Münster zu Emmerich, bearb. v. Gerard Lemmens/Guido de Werd, Ausstellungskatalog, Emmerich 1977
Literatur: Klevisches Silber. 15.–19. Jahrhundert, bearb. v. Guido de Werd, Ausstellungskatalog Städtisches Museum Haus Koekkoek, Kleve, Kleve 1978
Literatur: Lemmens, Gerard: Die Schatzkammer Emmerich, Kleve 1983
Literatur: Schenkenschanz. „de sleutel van den hollandschen tuin“, red. v. Guido de Werd, Ausstellungskatalog Städtisches Museum Haus Koekkoek, Kleve, Kleve 1986
Literatur: De Werd, Guido: Een kelk uit 1697 door Rabanus Raab de Oudere uit Kalkar, in: Antiek, Jg. 25, Nr. 2, 1990, S. 83–88
Literatur: Rieß, Marina: Das Goldschmiedehandwerk der Frühen Neuzeit am Niederrhein – Liturgische Goldschmiedewerke im konfessionellen Spannungsfeld. (Dissertation 2021)
Weiterführende Literratur:
Literatur: Hernmarck, Karl: Die Kunst der europäischen Gold- und Silberschmiede von 1450–1830. München: C.H. Beck, 1978.
Literatur: Seling, Helmut: Die Kunst der Augsburger Goldschmiede 1529–1868. 3 Bde. München: C.H. Beck, 1980.
Literatur: Sundrabs, Jürgen: Silberschmiedekunst in Norddeutschland. Bestände und Merkzeichen. Hamburg: Museum für Kunst und Gewerbe, 1982.
Literatur: Richter, Ernst-Ludwig: Altes Silber — imitiert, kopiert, gefälscht. 1983.
Literatur: Tardy: International Hallmarks on Silver. Paris: Tardy, 1985.
Literatur: Schliemann, Erich: Die Goldschmiede Hamburgs. 3 Bde. Hamburg: Selbstverlag, 1985.
Literatur: Meinz, Manfred: Schönes altes Silber. Keysers Handbuch für Sammler und Liebhaber. 2. Aufl. Gütersloh: Keyser, 1987.
Literatur: Sänger, Reinhard W.: Das deutsche Silber-Besteck. Biedermeier, Historismus, Jugendstil 1805–1918. Stuttgart: Arnoldsche Art Publishers, 1991.
Literatur: Hessische Hausstiftung (Hrsg.): Silber auf Reisen. Ausstellungskatalog Museum Schloss Fasanerie. Eichenzell bei Fulda, 1991–1992.
Literatur: Baumstark, Reinhold / Seling, Helmut / Seelig, Lorenz: Silber und Gold. Augsburger Goldschmiedekunst für die Höfe Europas. München: Hirmer, 1994.
Literatur: Neuhaus, Reiner / Schmidberger, Ekkehard: Kasseler Silber aus Barock, Empire und Gründerzeit. Eurasburg: Edition Minerva, 1998.
Literatur: Seling, Helmut: Die Augsburger Gold- und Silberschmiede 1529–1868. Meister, Marken, Werke. München: C.H. Beck, 2007.
Literatur: Koeppe, Wolfram: Extravagant Inventions. The Princely Furniture of the Roentgens. New York: Metropolitan Museum of Art, 2012.
Literatur: Kirchengold und Tafelsilber. Die Sammlung von Silberarbeiten im Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund 2008.
Bayerisches Nationalmuseum, Archiv zur Augsburger Goldschmiedekunst
Paar Barock Silber Tafelleuchter, Bonn 1740-60, Heinrich Üdesheim
Seltenes Paar Bonner Barock-Tafelleuchter aus 12-lötigem Silber (750/1000), gefertigt um 1740–1760 von dem kurkölnischen Goldschmied Heinrich Üdesheim.
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