Service Design Heinrich Vogeler Muster Herbstzeitlose Silber 800
Jugendstil Silber-Service Entwurf Heinrich Vogeler Tablett, Milch-, Rahmkanne, Zuckerschale mit floralem Dekor
Muster Herbstzeitlose Silber 800
Heinrich Vogeler · Jugendstil Silber 800 Ensemble · Muster Herbstzeitlose · Tablett, Rahmkanne, Zuckerschale · M. H. Wilkens & Söhne · Bremen um 1899–1903
Entwerfer: Heinrich Vogeler (Bremen, 12.12.1872 – Karaganda, 14.06.1942) Ausführung: Silberwarenmanufaktur M. H. Wilkens & Söhne, Bremen (gegründet 1810) Muster: Herbstzeitlose, Besteck Nr. 138 Entstehungszeit: um 1899–1903 Material: Silber 800
Gewicht: [874 g] (gesamt) · Tablett: H. [1,7 cm], B. [30,2 cm], T. [22,8 cm] Gewicht: [457 g] · Rahmkanne: H. [11 cm], B. [XX cm], Gewicht: [874 g] · Zuckerschale: H. [8,5 cm], B. [15 cm], D. [10,5 cm], Gewicht: [219 g].
Marken: Halbmond, Krone, 800, Herstellermarke Wilkens – Monogramm G.
Das vorliegende dreiteilige Ensemble gehört zu den seltenen und kunsthistorisch bedeutsamen Zeugnissen des deutschen Jugendstil-Silbers: ein ovales Tablett mit Herbstzeitlosen-Gravur im Spiegel, eine Milch- oder Sahnekanne sowie eine Zuckerschale mit zwei seitlichen Henkeln, sämtlich im Muster Herbstzeitlose, entworfen von Heinrich Vogeler für die Bremer Silberwarenmanufaktur M. H. Wilkens & Söhne um 1899–1903
Heinrich Vogeler und das Muster Herbstzeitlose
Heinrich Vogeler zählt zu den vielseitigsten Künstlerpersönlichkeiten der deutschen Jahrhundertwende. Als zentraler Protagonist der Worpsweder Künstlerkolonie, wo er ab 1895 den Barkenhoff zu einem der wichtigsten Treffpunkte der Reformkunst gestaltete, war er Maler, Graphiker, Buchillustrator und Entwerfer von angewandter Kunst in einem. Seine Silberentwürfe für M. H. Wilkens & Söhne, die bedeutende Bremer Silberwarenmanufaktur, gehören zu den herausragenden Zeugnissen des deutschen Jugendstil-Kunstgewerbes.
Vogeler entwarf für Wilkens mehrere Besteckmuster, von denen drei besondere Bedeutung erlangten: das Tulipan-Muster (Besteck Nr. 147, 1898/99), das Apfelbäumchen- beziehungsweise Margeritenmuster (um 1900) sowie das Herbstzeitlose-Muster (Besteck Nr. 138). Letzteres datiert in das Frühjahr 1899: Die Auftragsbücher von Wilkens belegen unter der Nummer 125.894 die erste Bestellung von Korpusteilen zu Besteck 138 bereits am 10. Juni 1899 durch den Juwelier Gwoos — bestehend aus Kaffeekanne, Teekanne, Zuckerschale, Rahmkanne und Teebrett. Den Korpusstücken wurden werksinterne Musternummern zugewiesen: 2801 (Kaffeekanne), 2802 (Teekanne), 2803 (Zuckerschale), 2804 (Rahmkanne) und 2805 (Teebrett).
Das florale Programm des Musters ist präzise durchdacht: Aus einer Wurzelknolle, die Vogeler anstelle des damals üblichen ornamentierten Stielabschlusses verwendet — entwickeln sich Blätter, die sich um eine Freifläche für das einzugravierende Monogramm winden. Aus kreuzweisen Verschlingungen der Blätter wachsen drei Blütenköpfe der Herbstzeitlose heraus. Bei den Korpusteilen wandelt sich das Motiv zwangsläufig: Die Schmalheit des Bestecks weicht der Breite von Kanne oder Tablett, weshalb hier das kreuzweise Verschränken der Blätter zum dominanten Flächenmotiv wird; die Henkel und Griffe greifen das Herauswachsen von Blüten und Blättern auf.
Das Ensemble im Kontext der Wilkens-Produktion
Dass Korpusteile im Herbstzeitlosen-Muster überhaupt in nennenswerter Zahl produziert wurden, verdankt sich dem kaufmännischen Instinkt von Martin Wilkens, dem Vetter des Firmengründers: Schon im August 1899 folgte einem ersten Bestellschub von Buttertellem, Körben und Saucieren eine rasch wachsende Palette wie Becher, Bonbonschalen, Eierbecher, Kinderbecher, Leuchter, Obstschalen, Salz- und Salatschalen bis hin zu Weinbrettern und Zahnstocherbehältern. Die Herstellung dauerte weit über die eigentliche Jugendstil-Phase hinaus an.
Die heute im Umlauf befindlichen Stücke sind entsprechend selten, da viele als Tafelsilber eines gehobenen Haushalts bestellt und entsprechend genutzt wurden. Ein dreiteiliges, aufeinander abgestimmtes Ensemble wie das vorliegende, – Tablett, Rahmkanne und Zuckerschale, – begegnet dem Markt nur gelegentlich. Ein korrespondierendes Korpusstück im Herbstzeitlosen-Muster, ein Teekessel mit elektrischer Heizplatte aus dem Jahr 1903 (Auftragsnummer 148624, Verkäufermarke G. Hermeling, H. 18 cm, Inv.-Nr. 80.394), ist im Katalog Bremer Silber des Focke-Museums abgebildet und dokumentiert damit anschaulich die gestalterische Verwandtschaft: Auch der Kessel gliedert seine Wandung vierfach mit dem Herbstzeitlosen-Motiv, das ebenso auf dem von Vogeler entworfenen Besteck erscheint.
Werke Vogelers für Wilkens befinden sich in den Sammlungen des Museum für Angewandte Kunst Köln, des Deutschen Klingenmuseums Solingen sowie des Focke-Museums Bremen.
Literatur:
1910 M. H. Wilkens & Söhne (Hrsg.): 1810–1910. Kurze Geschichte der Gründung des Geschäfts und seiner Entwicklung in den 100 Jahren seines Bestehens. Festschrift. Druckerei Freese, Bremen 1910.
1912 Entholt, Hermann: Wilkens, Martin Heinrich. In: Historische Gesellschaft des Künstlervereins (Hrsg.): Bremische Biographie des neunzehnten Jahrhunderts. Gustav Winter, Bremen 1912.
1981 Löhr, Alfred: Bremer Silber. Von den Anfängen bis zum Jugendstil. Handbuch und Katalog zur Sonderausstellung vom 6. Dezember 1981 bis 18. April 1982 im Bremer Landesmuseum / Focke-Museum. Bremen 1981. [Kat.-Nr. 80.394, H. 18 cm]
1991 Sänger, Reinhard W.: Das Deutsche Silber-Besteck: Biedermeier, Historismus, Jugendstil (1805–1918). Arnoldsche Art Publishers, Stuttgart 1991, S. 232 ff.
2000 Grotkamp-Schepers, Barbara / Sänger, Reinhard W.: Bestecke des Jugendstils. Bestandskatalog Deutsches Klingenmuseum Solingen. Arnoldsche, Leipzig 2000, S. 50, Abb. 19.
2001 Kerssenbrock-Krosigk, Dedo von / Kanowski, Claudia: Metallkunst der Moderne. Bröhan-Museum, Bestandskatalog Bd. VI. Berlin 2001.
2010 Fellmann, Lena: 200 Jahre Wilkens Bremer Silberwaren. Zur Geschichte eines bremischen Familienunternehmens. In: Bremisches Jahrbuch, Band 89 (2010), S. 167–229.
2010 Wilkens, Manja: Jugendstil in Silber. Heinrich Vogeler und die Bremer Silberwarenmanufaktur Martin Heinrich Wilkens & Söhne. Aschenbeck Media / Barkenhoff-Stiftung, Worpswede 2010.
Für Sammler von Jugendstilbestecken lohnt sich der Besuch in Solingen im: Deutsches Klingenmuseum Solingen
Service Design Heinrich Vogeler Muster Herbstzeitlose Silber 800
Jugendstil Silber-Service Entwurf Heinrich Vogeler Tablett, Milch-, Rahmkanne, Zuckerschale mit floralem Dekor
Muster Herbstzeitlose Silber 800
Tablett, Milch-, Rahmkanne, Zuckerschale mit floralem Dekor
Muster Herbstzeitlose
Entwurf: Heinrich Vogeler 1899-1903
Ausführung: Silber 800, Wilkens, Bremen um 1900, Deutschland
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