Barock Silber Leuchterpaar Göttingen, um 1770–1780
Seltenes Barock-Rokoko-Leuchterpaar aus Göttingen in 12-lötigem Silber
Außergewöhnlich seltenes Paar barocker Silberleuchter aus Göttingen, gefertigt um 1770–1780 aus 12-lötigem Silber (750/1000). Das Leuchterpaar gehört zu den qualitätvollen Erzeugnissen der niedersächsischen Goldschmiedekunst des ausgehenden Rokoko und überzeugt durch seine harmonischen Proportionen, die kräftige Materialstärke und den hervorragenden Originalzustand.
Die balusterförmigen Schäfte sind gegossen und aus zwei Teilen fachgerecht verlötet. Die mehrfach geschweiften, getriebenen Standfüße verleihen den Leuchtern Eleganz und Stabilität zugleich. Mit einem Gesamtgewicht von 650 Gramm handelt es sich um eine ungewöhnlich schwere und hochwertige Ausführung.
Die Leuchter tragen die Stadtbeschau von Göttingen sowie die Meistermarke KNAUER. Einer der Leuchter ist mit der Feingehaltsmarke 12 und der Meistermarke gepunzt, der zweite zusätzlich mit der Göttinger Beschau.
Goldschmied:
Die Meistermarke KNAUER ist Heinrich Otto Christian Knauer (1719–1781) zuzuordnen.
Knauer wurde 1719 geboren, legte 1743 seine Meisterprüfung ab und zählt zu den bedeutendsten Goldschmieden Göttingens des 18. Jahrhunderts. Seine Arbeiten stehen beispielhaft für die hohe Qualität der Silberproduktion im Kurfürstentum Hannover während des Spätbarock und Rokoko.
(Vgl. Wolfgang Scheffler: Goldschmiede Niedersachsens, S. 373, Nr. 15.)
Daten:
Objekt: Paar Barock-Leuchter
Herkunft: Göttingen, Kurfürstentum Hannover
Datierung: um 1770–1780
Goldschmied: Heinrich Otto Christian Knauer (1719–1781)
Material: Silber 12 Lot (750/1000)
Beschau: Stadtmarke Göttingen
Herstellung: Schaft gegossen und zweiteilig verlötet, Fuß getrieben und montiert
Maße: Höhe 21,5 cm · Fußdurchmesser 12,8 cm
Gewicht: zusammen 650 Gramm
Zustand: Sehr guter Originalzustand mit leichten altersbedingten Gebrauchsspuren. Außergewöhnlich schwere Qualität.
Kunsthistorische Einordnung:
Originale Silberarbeiten aus Göttingen gehören heute zu den großen Seltenheiten der norddeutschen Goldschmiedekunst. Im Gegensatz zu Silber aus Augsburg, Nürnberg, Hamburg oder Berlin erscheinen Göttinger Arbeiten nur ausgesprochen selten auf dem internationalen Kunstmarkt.
Dieses Leuchterpaar dokumentiert die elegante Formensprache des niedersächsischen Rokoko kurz vor dem Übergang zum Klassizismus. Durch die originale Stadtbeschau, die eindeutige Meistermarke und die außergewöhnlich schwere Ausführung besitzt das Paar sowohl kunsthistorisch als auch sammlerisch eine besondere Bedeutung. Vergleichbare Leuchter befinden sich überwiegend in Museumssammlungen oder altem Privatbesitz.
Silberfeingehalt:
Bis zur Einführung des metrischen Feingehaltssystems im Jahr 1868 wurde Silber im deutschsprachigen Raum nach dem Lot-System geprüft. Im Kurfürstentum Hannover betrug der gesetzlich vorgeschriebene Feingehalt überwiegend 12 Lot, entsprechend 750/1000 Silber. Die Stadtbeschau garantierte diesen Feingehalt und stellt heute eines der wichtigsten Echtheitsmerkmale norddeutscher Silberarbeiten dar.
Seltenes Barock Silber Leuchterpaar Göttingen, um 1770–1780, gefertigt von Heinrich Otto Christian Knauer aus 12-lötigem Silber (750/1000) mit originaler Göttinger Stadtmarke. Hochwertige Rokoko-Silberleuchter des Kurfürstentums Hannover in außergewöhnlich schwerer Ausführung. Originale Silberarbeiten aus Göttingen zählen zu den seltensten Werken norddeutscher Goldschmiedekunst und sind bei Sammlern von Barocksilber, Rokokosilber, deutschem Tafelsilber, hannoverschem Silber und musealen Sammlungen besonders gesucht.
Besichtigung nach Vereinbarung:
Das hier angebotene Objekt kann nach vorheriger Terminvereinbarung in meinen Geschäftsräumen persönlich besichtigt werden.
Darüber hinaus verfüge ich über einen umfangreichen Bestand an hochwertigem Silber, Goldschmiedearbeiten, Keramik und Kunstgewerbe vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Hierzu zählen Arbeiten von Augsburger, Nürnberger, Hamburger und norddeutschen Goldschmieden ebenso wie Objekte von Tiffany & Co., Gorham, Liberty & Co., Orivit, WMF, Georg Jensen und Zsolnay. Ein Teil dieser Stücke wird bereits auf meiner Homepage präsentiert; zahlreiche weitere Objekte befinden sich in meinem Lagerbestand und können nach Vereinbarung besichtigt werden.
Literatur: Scheffler, Wolfgang: Goldschmiede Niedersachsens, Band II. Seite 1152, Nr. 72 oder Seite 1155, Nr. 81]
lötiges Silber, Silber 12 Lot
Schaft gegossen und aus zwei Teilen zusammengelötet, Fuß getrieben und montiert
Maße: Höhe 21,5 cm, Breite Fuß 11,5 cm, Gewicht zusammen 578 Gramm.
Zustand: sehr guter Originalzustand mit leichten Gebrauchsspuren, schwere Qualität
Literatur: Waldemar R. Röhrbein: Göttinger Silber aus der Werkstatt Knauer. Eine Ergänzung zu Schefflers „Goldschmiede Niedersachsen“, in: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte, Bd. 12 (1973), S. 261ff.
Literatur: Appel, Thomas (2000) Göttinger Goldschmiede 1600-1900. Wallstein Verlag, Seite 113.
Literatur: Rosenberg, Marc: Der Goldschmiede Merkzeichen. Band I-IV, Frankfurt am Main 1922.
Literatur: Tardy: International hallmarks on silver. Paris 1985.
Ein ähnliches Dekor weisen drei Sitzmöbel im Museum Haus Uphagen in Danzig auf, die auf das 2. bzw. 3. Viertel des 18. Jahrhunderts datiert werden:

Der Silberfeingehalt auf in Deutschland ausgeführten Silberobjekten wurde bis 1868 in Lot(h) angegeben. Üblich waren Arbeiten aus 12 Lot = 750/1000 und 13 Lot = 812,5/1000. Da die Städte den Mindestfeingehalt festlegten, garantierten so die jeweiligen Stadtmarken für den Feingehalt, im Norden überwiegend 12 Lot und im Süden überwiegend 13 Lot. Sehr betuchte Auftraggeber wie Mitglieder des Hofes oder Adels ließen sich hingegen auch Stücke mit einem Feingehalt von 14 Lot = 875/1000 oder gar 15 Lot = 937,4/1000 anfertigen. Ab 1868 werden ebenso die Feingehaltsmarken 750 und 800 eingeführt, ab 1888 gilt ein Mindestfeingehalt von 800/1000 wie auch die Stempelung mit Halbmond und Krone für Silberwaren des deutschen Reiches. Diese Silberstempel gelten bis heute.
Weiterführende Literatur:
Literatur: Bernt Zeitzschel, Die Gold- und Silberschmiede im oestlichen Schleswig-Holstein
Literatur Reiner Neuhaus und Ekkehard Schmidberger: Kasseler Silber aus Barock, Empire und Gründerzeit
Literatur Ernst-Ludwig Richter : Altes Silber imitiert kopiert gefälscht
Literatur Baumstark, Reinhold, Helmut Seling und Lorenz Seelig: Silber und Gold. Augsburger Goldschmiedekunst für die Höfe Europas. Hirmer Verlag, München 1994
Literatur Manfred Meinz: Schönes altes Silber. Keysers Handbuch für Sammler u. Liebhaber. 2. Auflage. Gütersloh 1987.
Karl Hernmarck: Die Kunst der europäischen Gold- und Silberschmiede von 1450-1830, München 1978.
Literatur Helmut Seling: Die Augsburger Gold- und Silberschmiede 1529 – 1868. Meister Marken Werke, München 2007.
Literatur: Irmscher, Günter: Das Kölner Goldschmiedehandwerk 1550-1800. Eine Sozial- und Werkgeschichte. Regensburg 2005.
Literatur: Bemmann, Hildegund: Rheinisches Tafelsilber. Silbernes Prunk- und Tafelgerät des nördlichen Rheinlandes von 1550-1800. Rheinbach-Merzbach 1992.
Literatur: Meta Patas: 400 Jahre Gold – und Silberschmiedekunst in Düsseldorf Ausstellung vom 8.11 bis 2.12 1977 SW: Goldschmiedekunst Silberschmiedekunst Düsseldorf
Barock Silber Leuchter Paar Göttingen um 1770-80
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